Letztes Update am Sa, 25.05.2019 12:04

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


NGOs gegen vorzeitige Freilassung von serbischem Ex-Polizeifunktionär



Belgrad/Prishtina (Pristina)/Den Haag (APA) - Mehrere Menschenrechtsorganisationen aus Serbien und dem Kosovo haben sich zum ersten Mal mit einem Appell an den internationalen Gerichtshof MICT gewandt, um die im Juni bevorstehende vorzeitige Freilassung eines Kriegsverbrechers nicht zuzulassen. Wie die Tageszeitung „Danas“ am Samstag berichtete, schlossen sich 30 NGOs dem Appell an den MICT-Präsidenten Carmel Agius an.

Im Appell wird Agius aufgefordert, die für 17. Juni geplante vorzeitige Freilassung des ehemaligen serbischen stellvertretenden Innenministers Vlastimir Djordjevic nicht zuzulassen, solange er nicht vollständige Informationen über die Massengräber mit Leichen von Kosovo-Albanern und den Fall der Gebrüder Bitiqi, drei US-Bürger kosovo-albanischer Abstammung, die im Juli 1999 auf einem Polizeistützpunkt in Ostserbien ermordet wurden, gibt.

Djordjevic, der während des Kosovo-Krieges (1998-99) die Polizeieinheiten leitete, bei deren Einsätzen im Kosovo Hunderte ums Leben kamen, wurde 2007 in Montenegro festgenommen und an das UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien überstellt. Er wurde 2014 zu 18 Jahren Haft verurteilt. Entsprechend den Tribunalsregeln hat er das Recht, nach Verbüßen von zwei Drittel seiner Haftstrafe auf freien Fuß gesetzt zu werden.

Die serbischen Behörden haben den Mord an den Gebrüdern Bitiqi nie genauer untersucht. Für den Polizeistützpunkt, in dem sie ermordet wurden, war der damalige Befehlshaber einer Sonderpolizeieinheit, Goran Radosavljevic, zuständig. Er ist unterdessen Führungsmitglied der regierenden Serbischen Fortschrittspartei. Im Kosovo gelten weiterhin rund 1.800 Personen als vermisst.

~ WEB http://www.unmict.org/en ~ APA092 2019-05-25/12:01




Kommentieren