Letztes Update am Di, 28.05.2019 13:18

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Jüdisches Museum Wien zeigt Kaffeehaus-Entwürfe von Simon Wiesenthal



Wien (APA) - Ein „Café As“ in Poznan (Posen) gibt es nicht. Es hat nie existiert. Im Jüdischen Museum Wien kann man sich jedoch ab morgen, Mittwoch, ein genaues Bild davon machen, wie es ausgesehen hätte. „Eine ganz speziellen Ausstellung“ nannte Direktorin Danielle Spera bei der heutigen Presseführung die Präsentation jener 80 detailreichen Entwürfe, die Simon Wiesenthal noch im KZ Mauthausen begonnen hatte.

Simon Wiesenthal (1908-2005) wurde als unermüdlicher Verfolger von NS-Verbrechern einer breiten Öffentlichkeit bekannt. „Bei meinem Vorstellungsgespräch hat er bereits im dritten Satz gesagt: Wissen Sie, eigentlich bin ich ja Architekt“, erzählte heute seine langjährige Mitarbeiterin Michaela Vocelka, die als Kuratorin die kleine Ausstellung „Café As. Das Überleben des Simon Wiesenthal“ zusammengestellt hat. Tatsächlich studierte Wiesenthal in Prag und Lemberg Architektur und arbeitete während des Studiums bei einer lokalen Baufirma. 1941 wurde er als Jude von den Nationalsozialisten verhaftet, zur Zwangsarbeit verpflichtet und schließlich in Konzentrationslager deportiert. Mitte Februar gelangt er auf einem Todesmarsch von Groß-Rosen über Buchenwald nach Mauthausen.

Im KZ Mauthausen kam er stark entkräftet ins Sanitätslager, das zu dem Zeitpunkt von der SS aus Angst vor Seuchen nicht mehr betreten wurde. Sein Mithäftling Edmund Staniszewski rettete Wiesenthal das Leben, verschaffte ihm kleine „Aufträge“ als Zeichner und steckte ihm immer wieder Essen zu. Im Gegenzug bat er Wiesenthal um Entwurfsideen für ein Kaffeehaus, das er nach Kriegsende in seinem Wohnhaus in Posen eröffnen wollte. In den Wochen nach der Befreiung vervollständigte er sie zu jenen ausgefeilten Zeichnungen, die nun im Museum zu sehen sind. Simon Wiesenthal entwarf dabei nicht nur Außen- und Innenarchitektur, sondern auch Möbel (deren Entwürfe für die Ausstellung teilweise realisiert wurden), einen Eisstand, Livrees für die Kellner, Kostüme für die Kellnerinnen, Werbeplakate, Einladungskarten für die Eröffnung und sogar eine eigene Tortendekoration. Spera: „Heute würde man sagen: Er hat die ganze ‚Corporate Identity‘ des Kaffeehauses entworfen.“

Das dafür vorgesehene Haus wurde jedoch von den Kommunisten beschlagnahmt, das Kaffeehaus nicht errichtet. „Die Pläne sind daraufhin im wahrsten Sinne in der Schublade verschwunden“, sagte Spera. Staniszewski starb 1984. Die Zeichnungen galten als verschollen, bis sein Schwiegersohn vor zwei Jahren das Konvolut dem Jüdischen Museum anbot. Mithilfe der „US Friends of the Jewish Museum Vienna“ konnte es erworben werden. „Ich bin sehr froh, dass es gelungen ist, diese Zeichnungen für Wien zu sichern“, so Spera.

In der bis 12. Jänner 2020 laufenden Ausstellung sind übrigens auch die einzigen späteren Architekturzeichnungen zu sehen, die über das „Café As“ hinaus von Simon Wiesenthal bekannt wurden. Es sind 1948 entstandene Skizzen für ein Mausoleum der in Konzentrationslagern auf österreichischem Boden ermordeten Juden. Sie irritieren bereits auf dem ersten Blick. Unverkennbar zitiert Wiesenthal darin das große Lagertor des KZ Mauthausen.

(S E R V I C E - Ausstellung „Café As. Das Überleben des Simon Wiesenthal“, Jüdisches Museum Wien, Wien 1, Dorotheergasse 11, 29. Mai 2019 bis 12. Jänner 2020, Sonntag bis Freitag 10 bis 18 Uhr, Katalog: 172 Seiten, 18 Euro, ISBN 978-3-901398-91-9, Info: 01 / 535 04 31, www.jmw.at)

(B I L D A V I S O – Pressebilder stehen unter https://bit.ly/2Eomkyb zum Download bereit.)




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