Letztes Update am Di, 28.05.2019 16:03

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


US-Managergehälter schwappen nach Europa - 56 Mio Euro für Linde-Chef



München (APA/Reuters) - Bei amerikanisch geprägten Fusionsunternehmen wie Linde und Anheuser-Busch (AB) InBev stoßen die Vorstandsgehälter auch in Europa in neue Dimensionen vor. Steve Angel, Vorstandschef des Industriegase-Riesen Linde, verdiente im vergangenen Jahr alles in allem 55,8 Mio. Euro, wie aus einer Analyse der Vergütungsberatung hkp hervorgeht, die Reuters am Dienstag vorlag.

41,4 Mio. Euro davon entfielen allein auf Boni und Pensionsansprüche, die vertragsgemäß wegen der Fusion von Linde mit seinem bisherigen Arbeitgeber Praxair sofort zur Auszahlung fällig wurden. Dabei ist es weitgehend das gleiche Unternehmen, das der Amerikaner nun führt.

Roche-Chef Severin Schwan, jahrelang Europas bestbezahlter Manager, wurde mit seinen 12,5 Mio. Euro im vergangenen Jahr von AB InBev-Chef Carlos Brito deutlich übertroffen. Der Brasilianer kam auf eine Vergütung von 32,7 Mio. Euro und profitierte dabei von einem Programm, mit dem der in Belgien registrierte Brauereikonzern seine Top-Manager langfristig binden wollte. „Das ist schon ein heftiger Schluck aus der Pulle - und das ohne besonderen Anlass“, sagte hkp-Chef Michael Kramarsch der Nachrichtenagentur Reuters.

Kramarsch erwartet, dass die hohen Überweisungen an Manager die Politik auf den Plan rufen. „Das sind zwar Einzelfälle, aber diese waren schon in der Vergangenheit Anlass für Regulierung.“ Schon die neue Aktionärsrechte-Richtlinie der EU, die im Herbst in deutsches Recht umgesetzt werden soll, werde ihnen zum Teil ein Ende setzen. Dann müssen die Aktionäre jedes Jahr über den Vergütungsbericht abstimmen.

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Hoffnungen, dass die Aktionäre selbst Exzesse unterbinden würden, teilt der Gehaltsexperte allerdings nicht. „Das ist ein Irrglaube der Politik.“ Die Schweiz habe eines der rigidesten Systeme zum „Say on Pay“, doch seien die Gehälter von Führungskräften dort im Schnitt die höchsten in Europa. Von den vier Top-Verdienern unter den Vorstandschefs der 71 Firmen im Stoxx-Europe-50 und im Euro-Stoxx-50-Index arbeiten mit Schwan und UBS-Chef Sergio Ermotti (knapp 12 Mio. Euro) zwei in der Schweiz.

SAP-Chef Bill McDermott schafft es mit 10,2 Mio. Euro als einziger Chef eines deutschen Unternehmens in die „Top sechs“, die auf mehr als 10 Mio. Euro kommen. Im Schnitt stagnierten die Gehälter von Europas Top-Managern 2018 bei 6 Mio. Euro, wenn man den Ausreißer Brito herausrechnet. Zum Vergleich: Im Dow-Jones-Index lag das Durchschnittsgehalt eines Konzernchefs im Schnitt bei 16,9 Mio. Euro.

In den Aufsichtsgremien spielen die Verwaltungsratschefs in der Schweiz traditionell in einer anderen Liga. Ex-Bundesbank-Chef Axel Weber kommt bei der UBS auf 4,9 Mio. Euro, Jörg Reinhardt (Novartis) bekommt als Nummer 4 mit 3,3 Mio. Euro noch doppelt so viel wie der nächstplatzierte HSBC-Chairman Mark Tucker. Man hält ihre Tätigkeit dort - anders als die der deutschen Aufsichtsratschefs - für einen Vollzeit-Job. „Das würde aber etwa auch für Paul Achleitner bei der Deutschen Bank gelten“, gibt Kramarsch zu bedenken. Bei den elf größten deutschen Konzernen liegt das Salär des Aufsichtsratschefs im Schnitt gerade bei 424.000 Euro.




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