Letztes Update am Di, 28.05.2019 16:19

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tödliche Messerstecherei in Tirol 3 - Geschworene in Beratung



Innsbruck/Imst (APA) - Im Prozess gegen einen 20-Jährigen nach einer tödlichen Messerstecherei in Imst haben sich die Geschworenen am Nachmittag zur Beratung zurückgezogen. Zuvor hatte noch eine Psychiaterin, die den Angeklagten zwei Mal untersuchte, ihr Gutachten vorgetragen und gemeint, dass dieser „zum Tatzeitpunkt durchaus in der Lage war, das Unrecht seiner Tat einzusehen“.

Allerdings sei nicht davon auszugehen, „dass mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit schwere Taten in der Zukunft zu erwarten sind“. Die Gefährlichkeitsprognose falle damit „nicht erheblich hoch“ aus. Insgesamt habe der 20-Jährige aber wenig von seinem Innenleben preisgegeben. Das führte die Psychiaterin auf eine innere Unsicherheit zurück, die den Angeklagten auf sie auch „unehrlich“ wirken lies. Dadurch sei es ihr schwergefallen, sich ein Bild von seiner Persönlichkeit und von seinen Lebensumständen zu machen. Aufgrund seines äußeren Erscheinungsbildes wirke er durchaus nicht gewalttätig, sie gehe aber davon aus, dass der Angeklagte Schwierigkeiten damit habe, sich bei Gleichaltrigen Respekt zu verschaffen: „Er kann das schwer, möchte es aber.“ Eine psychiatrische Erkrankung konnte die Gutachterin nicht feststellen.

Die Staatsanwältin bekräftigte in ihrem Schlussplädoyer erneut, dass sie nicht an eine Notwehrsituation glaube. „Eine Notwehrsituation ist nur bei einem gegenwärtigen oder unmittelbar bevorstehenden Angriff gegeben. In dieser Situation gab es aber keinen Angriff“, betonte die öffentliche Anklägerin. Der Angeklagte hätte bei einer Notwehr außerdem ein „viel weniger intensives Mittel“ zur Verteidigung wählen müssen, meinte sie.

Gänzlich anders sah dies der Verteidiger. „Die Verwendung eines Messers, auch bei einem unbewaffneten Angreifer, der körperlich überlegen oder gleichwertig ist, ist laut Rechtsprechung zulässig“, befand der Rechtsanwalt. Zudem rief er in seinem Schlussplädoyer den Geschworenen in Erinnerung, dass wenn sie Zweifel hätten, gegen die Schuld des Angeklagten stimmten müssen.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.




Kommentieren