Letztes Update am Di, 28.05.2019 17:35

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Deutsche Industrie pessimistisch wie seit Finanzkrise nicht mehr



Berlin (APA/Reuters) - Die deutsche Industrie wird angesichts der Abkühlung der Weltwirtschaft immer pessimistischer. „Beim Auslandsgeschäft sind die Erwartungen so niedrig wie seit zehn Jahren nicht mehr“, sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Eric Schweitzer, am Dienstag. Er sprach von einem „Alarmsignal“. Vor einem Jahrzehnt hatte die internationale Finanzkrise die Wirtschaft massiv belastet.

Zumindest der Einzelhandel und die Baubranche blickten aber weiter auf gute Geschäfte, erläuterte Schweitzer. „Beide Wirtschaftszweige tragen derzeit die deutsche Konjunktur.“ Der Konsumklima-Index der GfK für Juni sank allerdings leicht auf 10,1 Punkte und damit auf den tiefsten Stand seit gut zwei Jahren.

Der DIHK hat in seiner Frühjahrsumfrage Antworten von mehr als 25.000 Unternehmen bekommen. Daraufhin senkte der Verband seine Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) heuer auf 0,6 Prozent. Zu Jahresbeginn hatte er noch 0,9 Prozent erwartet. 2018 legte die Wirtschaftsleistung um 1,4 Prozent zu.

„Wir haben aus unseren Unternehmensumfragen und den Wirtschaftsdaten derzeit wenig Anzeichen für Besserung 2020“, sagte Schweitzer im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters. „Wir sehen Verunsicherung, langsam auch in der Inlandsnachfrage, etwa bei der Industrie.“ Vor allem spürten die Industriebetriebe aber den Handelsstreit und die Brexit-Unsicherheit. Das nehme der Weltwirtschaft den Wind aus den Segeln. Noch liege die Investitionsneigung zwar über dem langjährigen Durchschnitt. „Besonders die exportorientierten Industrieunternehmen fahren ihre Investitionsplanungen aber zurück.“

Aus Sicht des DIHK ist nun die Politik gefordert: „Der Ausbau bei Verkehrs- und IT-Infrastruktur muss hierzulande schneller erfolgen“, forderte Schweitzer. Zudem müsse es einen Abbau der Bürokratie geben. „Die letzte Steuerreform liegt schon mehr als eine Dekade zurück.“ Mit einer Belastung von 30 Prozent liege Deutschland hier im Vergleich der Industriestaaten um sechs Punkte höher als der Schnitt.

Einer anderen Umfrage zufolge sind CDU-nahe Unternehmen unzufrieden mit der Arbeit der großen Koalition. Laut Wirtschaftsrat der CDU sind nur elf Prozent mit der Energie- und Digitalisierungspolitik einverstanden. 97 Prozent sind der Ansicht, dass die Berliner Regierung den Ausbau des schnellen Internets beschleunigen sollte. Am besten schneidet noch die Haushaltspolitik (48 Prozent) ab, bei der die große Mehrheit der befragten Firmen für ein Festhalten an der Schuldenbremse eintritt. Die Europawahl habe gezeigt, dass sich „teure Wahlgeschenke“ für die SPD nicht auszahlten, sagte der Präsident des Wirtschaftsrates, Werner Bahlsen.




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