Letztes Update am Di, 28.05.2019 18:36

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Türkei: Inhaftierte Terrorverdächtige werfen Polizei Folter vor



Ankara (APA/dpa) - Eine Gruppe von angeblichen Terrorverdächtigen in türkischer Haft wirft der Polizei in der Hauptstadt Ankara Folter vor. Entsprechende Details sind einer Stellungnahme der Anwaltskammer der Stadt vom Dienstag zu entnehmen. Vertreter der Kammer hatten demnach am Montag mit sechs der angeblichen Opfer gesprochen.

Alle gaben an, beschimpft worden zu sein. Fünf gaben an, aus ihren Zellen in einen dunklen Raum gebracht worden zu sein, wo sie unter anderem auf den Kopf geschlagen und mit Schlagstöcken vergewaltigt worden seien.

Die angeblichen Opfer sind offenbar Teil einer Gruppe von 249 Menschen aus dem Umfeld des Außenministeriums, die Behörden vor rund einer Woche im Zusammenhang mit dem Putschversuch von 2016 suchen ließen. 91 waren der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge kurze Zeit später in Gewahrsam. Staatsanwälte werfen ihnen Verbindungen zum islamischen Prediger Fethullah Gülen vor, den die Regierung für den Putschversuch verantwortlich macht.

Die Polizei in Ankara dementierte die Vorwürfe: Alles sei rechtmäßig abgelaufen, teilte sie mit. Die Personen hätten Kontakt zu ihren Anwälten gehabt und seien alle 24 Stunden ärztlich untersucht worden.

Der Abgeordnete der pro-kurdischen Partei HDP Ömer Faruk Gergerlioglu hatte das Thema am Montag zuerst aufgebracht und im Parlament angesprochen. Die Anwälte der Opfer seien an ihn herangetreten. Ihm zufolge waren mehr als sechs Menschen betroffen.

Foltervorwürfe gegen türkische Behörden gibt es immer wieder. Die türkische Regierung weist alle Anschuldigungen zurück. Zuletzt hatte im Mai der deutsche „Welt“-Reporter Deniz Yücel in einer Aussage für seinen Prozess wegen Terrorvorwürfen von „Folter“ während der ersten Tage in türkischer U-Haft gesprochen.

Seit dem Putschversuch vom Juli 2016 geht die Regierung intensiv gegen mutmaßliche Gülen-Anhänger vor. Nach Regierungsangaben aus dem März sind seit dem Putschversuch zusammengenommen rund 500.000 Menschen wegen angeblicher Gülen-Verbindungen festgenommen worden - rund 30.000 sollen weiter in Haft sein.




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