Letztes Update am Mi, 29.05.2019 06:02

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Elina Garanca im Urlaubsmodus - Klassiknews



Wien (APA) - *

Elina Garancas Ausflug ins südländische Fach (Deutsche Grammophon): Von Granada nach Buenos Aires, in Tavernen und Cantinas, zu Violeta Parra und zu Astor Piazzolla - Klassikedelkehle Elina Garanca unternimmt einen Ausflug ins südländische Fach und legt mit „Sol y vida“ ein echtes Urlaubsalbum vor. Am 4. Juni gastiert Garanca mit ihrem Ehemann, dem Dirigenten Karel Mark Chichon am Pult des Wiener Kammerorchesters, im Wiener Konzerthaus, am 7. Juni im Grazer Musikverein. Am Programm stehen dabei neben Preziosen aus dem klassischen Arienrepertoire auch einige heißblütige Stücke der neuen CD, die passenderweise mit dem Orquestra Filarmonica de Gran Canaria entstanden ist. Nicht zuletzt über ihre Paraderolle, die Carmen in Bizets gleichnamiger Oper, habe sie das südliche Lebensgefühl, die Intensität der Emotionen, kennen und lieben gelernt, so die Mezzosopranistin aus dem fernen Lettland im Booklet. Dass ihr nobel gefärbtes Timbre zwar alles andere als sonnenstichig klingt, sich aber geschmeidig dem sonnigen Repertoire andient, versteht sich von selbst. Man bringe die Cocktailschirmchen.

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Lise Davidsens Debütalbum verspricht Großes (Decca) - 2015 gehörte Lise Davidsen zu den großen Gewinnern des Belvedere- und des Operalia-Bewerbs. Seither zeigt die Karriere der 32-jährigen, dramatischen Sopranistin steil nach oben. Gemeinsam mit dem Philharmonia Orchestra unter Esa-Pekka Salonen legt die Norwegerin nun ihr Debütalbum vor. Einleitend stehen dort zwei Arien der Elisabeth aus Richard Wagners „Tannhäuser“ - eine Partie, mit der Davidsen heuer in Bayreuth debütieren wird. Ansonsten widmet sich die junge, knapp 1,90 Meter große Sängerin aber dem Strauss‘schen Liedgut, darunter mit den „Vier letzten Liedern“ auch der Königsklasse des Genres. Und ungeachtet ihres jungen Alters beeindruckt Davidsen mit einer klaren Schärfe in der Stimme, die jetzt bereits eine eigenständige Färbung unter Beweis stellt und für die Zukunft Großes bereithält. Eine absolute Entdeckung.

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Albrecht Mayer sehnt sich durch die Oboenliteratur (Deutsche Grammophon) - Die Oboe hat in ihm ihren überzeugendsten Advokaten gefunden: Albrecht Mayer, Solooboist der Berliner Philharmoniker und regelmäßiger CD-Einspieler für Genusshören setzt den Popularisierungskurs für sein Instrument und dessen Repertoire fort. „Longing for Paradise“ heißt die neue Aufnahme, die mit seinem früheren Orchester, den Bamberger Symphonikern, entstanden ist. Programm ist die Sehnsucht nach einer besseren Welt, und die dazugehörigen Stücke sind allesamt sowohl selten gehört, wie sehr gut hörbar - insbesondere mit dem unbestechlich hinreißenden Klang von Mayers schmachtender Oboe. Es sind nicht nur Hymnen auf die Sehnsucht, sondern vor allem wehmütige Abgesänge auf eine Epoche, die im beiliegenden Booklet auch via Mayer-Fotoshooting im 20er-Jahre-Look evoziert wird: Edward Elgars melancholische „Soliloquy for oboe and orchestra“, Richard Strauss‘ pralle „Handgelenksübung“, sein Oboenkonzert, ein Arrangement von Ravels „Le Tombeau de Couperin“ und ein flirrend filmmusikalisch anmutendes Oboenkonzert von Eugene Goossens.

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Ein Personalalbum von Mari Samuelsen (Deutsche Grammophon) - Die 34-jährige Norwegerin Mari Samuelsen gehört zum Kreis jener Violinisten, die sich über den Klassikzirkel hinaus bewegen und keine Berührungsängste mit Neuer Musik haben. Nach einem Album mit ihrem Cello spielenden Bruder Hakon und einem nordischen Album, widmet sich Samuelsen nun in einer Doppelbox unter dem Titel „MARI“ einem Kompendium an eher ruhigeren Stücken. Im Begleittext rekurriert die Violinistin auf Assoziationen wie Natur versus Nicht-Orte aus Wartehallen und Lounges. Aber auch ohne den etwas esoterischen Beifang ist Samuelsen eine überraschend geglückte Zusammenschau an Werken gelungen, die von Bachs „Chaconne“ bis zu Philip Glass‘ „Kneeplay 2“ als Bravourstück der anderen Art reicht. Popwerke wie Brian Enos „By this River“ oder Neukompositionen von Max Richter fügen sich da nahtlos in die Runde ein. Auch wenn das Konzerthausorchester Berlin unter Jonathan Stockhammer bisweilen beim einen oder anderen Stück mit von der Partie ist, stellt Samuelsen doch meist ihr frappantes, schnörkelloses Spiel solistisch unter Beweis.




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