Letztes Update am Mi, 29.05.2019 17:10

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Erneut 15 Zivilisten bei Luftangriffen auf Idlib getötet



Bei Luftangriffen der syrischen Regierungstruppen und ihrer russischen Verbündeten auf die Rebellenbastion Idlib sind Aktivisten zufolge weitere 15 Zivilisten getötet worden. Allein bei Angriffen auf die Ortschaft Sarja an der Front zwischen Regierungsgebieten und der Region unter Kontrolle der Jihadistenallianz Hayat Tahrir al-Sham (HTS) habe es sieben Tote gegeben, teilten Aktivisten mit.

Seit Sonntag seien bei Artillerie- und Luftangriffen in Idlib und angrenzenden Gebieten mehr als 50 Zivilisten getötet worden, erklärte die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Mittwoch. Die Organisation bezieht ihre Informationen von Aktivisten vor Ort, für Medien sind diese aber meist kaum zu überprüfen. Die russische Luftwaffe konzentrierte ihre Angriffe auf die Stadt Khan Sheikhoun, erklärte die Beobachtungsstelle.

Seit Ende April gelang es den Truppen des syrischen Machthabers Bashar al-Assad, nach heftigem Beschuss mehrere Gebiete im Süden der Provinz Idlib und im Norden der Provinz Hama zu erobern. Die US-Regierung verurteilte am Dienstag die „wahllosen Angriffe“ der Assad-Truppen auf Zivilisten und öffentliche Einrichtungen wie Schulen, Märkte und Krankenhäuser. Dies sei eine „inakzeptable Eskalation“, sagte eine Außenamtssprecherin.

Nach UNO-Angaben wurden seit Ende April rund 270.000 Menschen durch die Kämpfe vertrieben. Sollten die Gefechte in Idlib andauern, könnten die Hilfsorganisationen zur Einstellung ihrer Arbeit gezwungen sein, warnte die UNO-Vertreterin Ursula Müller bei einer Sitzung des UNO-Sicherheitsrats am Dienstag. Seit Ende April seien bereits 23 Kliniken oder Krankenhäuser bei Artillerie- und Luftangriffen beschädigt worden.

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Der syrische UNO-Botschafter Bashar al-Jaafari bekräftigte aber ungeachtet der Kritik die Entschlossenheit der syrischen Regierung, Idlib zurückzuerobern. Sie werde alles dafür tun, „die Bevölkerung von Idlib aus dem Griff der Terroristen zu befreien und die Angriffe auf die Zivilisten in den umliegenden Städten zu beenden“, sagte al-Jaafari laut der staatlichen Nachrichtenagentur Sana vor dem UNO-Sicherheitsrat.

Viele Experten glauben allerdings nicht, dass die Angriffe der Beginn einer Großoffensive zur Rückeroberung von Idlib sind. Vielmehr gehe es derzeit um die Einnahme kleinerer Randgebiete. „Die Einnahme des ganzen Gebiets wäre eine riesige Operation, der sich die Türkei sicher widersetzen würde“, sagte der Forscher Aron Lund von The Century Foundation. Eine Großoffensive würde demnach Hunderttausende Flüchtlinge zur türkischen Grenze treiben.




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