Letztes Update am Do, 30.05.2019 11:21

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Fünf-Sterne-Bewegung stimmt über Parteichef Di Maio ab



Nach den schweren Einbußen bei der Europawahl für seine Bewegung, die ihre Stimmen von 33 auf 17 Prozent halbiert hat, schlägt für den Chef von Italiens Regierungspartei Fünf Sterne, Luigi Di Maio, die Stunde der Wahrheit. Am Donnerstag hat eine Online-Abstimmung unter den Anhängern der Partei begonnen, die über seinen Amtsverbleib nach der Wahlschlappe am Sonntag entscheiden könnte.

Die Fünf-Sterne-Aktivsten können am Donnerstag bis 20 Uhr auf der Online-Plattform „Rousseau“ über Di Maios politisches Schicksal abstimmen. Laut Davide Casaleggio, Betreiber der Plattform, haben sich 100.000 Italiener bei „Rousseau“ registriert. Durchschnittlich beteiligen sich 52.000 Anhänger an den Online-Abstimmungen.

Die Fünf-Sterne-Bewegung erhielt bei der Europawahl am Sonntag nur 17,1 Prozent der Stimmen - etwa halb so viel wie der Koalitionspartner Lega- und 6,2 Millionen Stimmen weniger als bei den Parlamentswahlen 2018. Parteiinterne Kritiker Di Maios behaupteten, er bekleide zu viele Rollen in der Regierung. Der 32-Jährige ist nicht nur Parteichef und stellvertretender Ministerpräsident, sondern auch Industrie- und Arbeitsminister der Regierung. Wegen seiner vielfältigen Verpflichtungen habe Di Maio der Partei und dem Wahlkampf zu wenig Zeit gewidmet - zugunsten des koalitionsinternen Partners Lega.

Hinzu sei die Bewegung zu wenig auf lokaler Ebene präsent. Dies bezeuge auch das enttäuschende Resultat der Fünf-Sterne-Bewegung bei Kommunalwahlen, die am Sonntag in 3.654 italienischen Gemeinden stattfanden.

Trotz heftiger Attacken scheint es unwahrscheinlich, dass Di Maio die Parteiführung verliert. Die Schwergewichte der Gruppierung, unter anderem Parteigründer Beppe Grillo, Justizminister Alfonso Bonafede und die Turiner Bürgermeisterin Chiara Appendino, bekräftigten ihr Vertrauen in den jungen Parteichef. Di Maio ist der Ansicht, die Gruppierung solle ihre Allianz mit der Lega weiterführen. Die Bewegung müsse noch mehrere im Koalitionsvertrag enthaltene Schwerpunkte umsetzen, behauptet Di Maio.




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