Letztes Update am Do, 30.05.2019 13:22

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Karlspreis an UNO-Generalsekretär Guterres verliehen



UNO-Generalsekretär Antonio Guterres (70) hat den Internationalen Karlspreis 2019 erhalten. Der Portugiese trage maßgebliche Verantwortung für die beiden großen Friedensprojekte Europäische Union und Vereinte Nationen, hieß es zur Begründung am Donnerstag bei der Verleihung im Krönungssaal des Aachener Rathauses. „Europa ist zu bedeutend, um zu scheitern“, sagte Guterres in seiner Dankesrede.

„Als Generalsekretär der Vereinten Nationen habe ich noch nie so deutlich gespürt, dass ein starkes und vereintes Europa gebraucht wird“, betonte der frühere portugiesische Regierungschef laut Kathpress. Nötig seien soziale Sicherheitsnetze und Solidarität. Der spanische König Felipe warnte die EU in seiner Laudatio auf Guterres dazu, die Angst der Menschen vor einer unsicheren Zukunft zu unterschätzen. „Die Angst, die heute Millionen unserer Miteuropäer spüren, sie stammt aus Unsicherheit und der Erfahrung des Ungleichseins und wird von der kürzlichen Wirtschaftskrise natürlich noch verstärkt“, so Felipe nach Angaben der deutschen Presse-Agentur dpa.

Guterres kritisierte, dass demokratische Prinzipien unter Beschuss seien. Auch nähmen Ungleichheiten zu. Hassreden, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in den Sozialen Medien stachelten Terrorismus an. Eine Vielzahl an Ethnien, Kulturen und Religionen sei aber ein Reichtum und keine Bedrohung. Damit Vielfalt jedoch Gesellschaften bereichern könne, seien große politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Investitionen in den Zusammenhalt nötig.

Guterres bezeichnete Klimawandel, Demografie und Migration sowie das digitale Zeitalter als die wichtigsten Herausforderungen der Gegenwart. Beim Klimawandel müsse Europa voran gehen. Europa dürfe die junge Generation, „unsere größte Hoffnung“, nicht im Stich lassen. „Ich kann Ihnen versichern, dass ich immer mein Bestes geben werde, um die Werte von Pluralismus, Toleranz, Dialog und gegenseitigem Respekt leidenschaftlich zu verteidigen, um eine Welt des Friedens, der Gerechtigkeit und der Menschenwürde zu errichten.“

Spaniens König Felipe VI., Schirmherr des Karlspreises, bezeichnete in seiner Festrede Guterres als „großen Europäer und Weltbürger“ mit einem weiten Horizont. Er folge drei Prinzipien: der Solidarität mit Bedürftigen, der Suche nach einer engen Einheit der europäischen Staaten und dem Beitrag eines geeinten Europas zu einer „gerechten Sache der Menschheit“.

Auch Aachens Bischof Helmut Dieser würdigte den Preisträger. Er zeige „persönlich, wie stark die Überzeugtheit der Einzelperson wirkt und den entsprechenden Ausschlag gibt“, sagte Dieser in einem Gottesdienst vor der Preisvergabe. Als portugiesischer Ministerpräsident habe Guterres sein Land in Europa verankert und als Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen die Flucht- und Migrationsprobleme in die internationale Politik eingebracht. Auch habe er auf „die existenzielle Bedrohung durch den Klimawandel“ hingewiesen.

Der alljährlich in Aachen vergebene Internationale Karlspreis zählt zu den bedeutendsten europäischen Ehrungen. Er wird traditionell zu Christi Himmelfahrt in Aachen verliehen. Außer der Urkunde erhalten die Preisträger eine Medaille, die das älteste erhaltene Stadtsiegel Aachens aus dem zwölften Jahrhundert mit Karl dem Großen zeigt. Im vergangenen Jahr wurde der französische Präsident Emmanuel Macron geehrt. 2016 hatte Papst Franziskus die Auszeichnung erhalten. Zweimal ging der Preis auch an Österreicher: 1995 an den damaligen Bundeskanzler Franz Vranitzky (SPÖ) sowie als erster Träger des Karlspreises überhaupt an den Gründer der Paneuropa-Bewegung, Richard Coudenhove-Kalergi (1894-1972).

Guterres ist seit dem 1. Jänner 2017 neunter Generalsekretär der UNO und Nachfolger des Südkoreaners Ban Ki-moon. Der Preis werde Guterres „in Würdigung seines Einsatzes für eine Neubelebung und Festigung der multilateralen Zusammenarbeit auf der Grundlage der Werte und Ziele der Europäischen Union und der Vereinten Nationen“ verliehen, hatte das Karlspreisdirektorium im Vorfeld mitgeteilt. Es sei das Ziel von Guterres, Pluralismus, Toleranz, Dialog, grenzüberschreitende Kooperationen und vor allem Frieden, Freiheit und Demokratie umzusetzen.




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