Letztes Update am Do, 30.05.2019 15:40

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Italienisches Marineschiff rettet Schlauchboot mit Migranten



Das italienische Marineschiff „Cigala Fulgosi“ hat am Donnerstag 90 Migranten an Bord eines unweit der libyschen Küste in Seenot geratenen Schlauchbootes gerettet. Das Schlauchboot ohne Motor befand sich in internationalen Gewässern, berichtete die Hilfsorganisation „Alarm Phone“, die Seenotfälle im Mittelmeer meldet.

Laut der Organisation befand sich an Bord des Schlauchbootes die Leiche eines fünfjährigen Mädchens. Die Hilfsorganisation bemängelte, dass das italienische Marineschiff gezögert habe, bis es sich auf die Suche nach dem Schlauchboot gemacht habe. Dadurch sei viel Zeit verloren worden.

Die italienische Marine dementierte allerdings, dass die Leiche eines Mädchens geborgen worden sei. An Bord des Schiffes seien unter anderem 23 Minderjährige genommen werden. Wohin sie geführt werden, war vorerst noch unklar. Die italienische Verteidigungsministerin, Elisabetta Trenta, wies den Vorwurf von NGOs zurück. Der italienische Innenminister Matteo Salvini sprach von „verleumderischen Vorwürfen“ gegenüber der Marine. Er bekräftigte, dass die italienischen Häfen für private Rettungsschiffe geschlossen seien.

Zudem wurden 75 Migranten, die sich nach dem Untergang ihres Boot an Netze für den Thunfischfang klammerten, von einem Schiff der maltesischen Marine gerettet worden. Die erschöpften Migranten trafen am Donnerstag auf Malta ein, teilte das UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR mit.

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Zuvor waren laut UNHCR dutzende Migranten auf Lampedusa an Land gegangen. Am Mittwochabend habe ein zehn Meter langes Holzboot auf der italienischen Mittelmeer-Insel angelegt, hieß es in einem Tweet der UNO-Behörde. Die 26 Männer und 20 Frauen an Bord hätten am Montag in Libyen abgelegt und seien bei ihrer Ankunft angestrengt und durchgefroren gewesen.

20 weitere Migranten, die ebenfalls am Mittwochabend auf Lampedusa ankamen, sind demnach vor vier Tagen in dem nordafrikanischen Land losgefahren. Auf hoher See wurden sie von einem Fischerboot entdeckt.

Am Wochenende hatte das maltesische Militär erklärt, dass mehrere Flüchtlingsboote die italienischen Inseln Sizilien, Sardinien und Lampedusa erreicht hatten. Eine Bestätigung dafür gab es vom Innenministerium nicht.

Die Regierung in Rom fährt einen klaren Anti-Migrations-Kurs und hat vielen Schiffen von Hilfsorganisationen das Anlegen in italienischen Häfen untersagt. Seitdem erreichen deutlich weniger Migranten Italien über das Mittelmeer als beispielsweise noch vor zwei Jahren. Vereinzelt gibt es Fälle, in denen die Menschen die gefährliche Überfahrt mit komplett seeuntauglichen Booten schaffen.




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