Letztes Update am Do, 30.05.2019 17:08

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Haudegen Dieter Quester wird 80 und startet weiterhin



Einen Tag nach der Beisetzung von Niki Lauda wird Österreichs ältester Formel-1-Pilot 80 Jahre alt. Dieter Quester hat zwar nur ein Grand-Prix-Rennen bestritten, dafür aber auf vielen anderen Motorsport-Bühnen zahlreiche Siege gefeiert. Der nach wie vor erstaunlich fitte Wiener hat über 1.000 Rennen bestritten und trotz seines Alters noch nicht genug. Im November startet Quester wieder in Daytona.

Der am 30. Mai 1939 in Wien geborene Quester ist ein Spross aus dem gleichnamigen Baustoffhandel. Als Jungspund wurde er in den 1960er-Jahren Motorboot-Europameister, fuhr danach Motorrad-Rennen und holte nach dem Wechsel auf vier Räder mehrere EM-Titel im Tourenwagensport. Nach einigen Siegen in der Formel 2 erlebte Quester mit dem Start beim Formel-1-Lauf 1974 auf dem Österreichring seinen ersten persönlichen Höhepunkt. In einem Rennen mit Niki Lauda und vor 150.000 begeisterten Fans wurde Quester Neunter, damals gab es dafür noch keine WM-Punkte.

Nicht ohne kuriose Zwischenfälle. Im Training blieb der Surtees des Österreichers auf der Strecke liegen. Quester besorgte sich von einem Getränkestand drei Flaschen eiskaltes Bier, kühlte damit seine überhitzte Benzinpumpe und konnte so an die Box zurückkehren. Vor dem Rennen vergaß der Mechaniker seine Werkzeugkiste vor dem Auto des Österreichers, der drum herum fahren musste. Quester: „So etwas ist heute undenkbar.“

Ein Jahr später verunglückte Mark Donohue auf dem Österreichring tödlich. Es war die berüchtigte, gefährliche Ära, in der man sich besser nicht ernsthaft mit Formel-1-Piloten anfreundete, zu viele fatale Unfälle gab es. „Der Nimbus der Gefährlichkeit in den 60er und 70er-Jahren begleitet die Formel 1 heute noch. Bei uns waren halt die Beine die Knautschzone“, erinnert sich Quester, der in England und Le Mans selbst schwere Unfälle hatte. „Ich habe nicht des Könnens wegen überlebt, sondern weil ich riesiges Glück hatte“, weiß Quester, der einmal mit seinem auf dem Dach liegenden BMW als Dritter über die Ziellinie schlitterte. „Vielleicht war es auch das Glück des Tüchtigen.“

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Und tüchtig war Quester, das belegt seine weltweit wohl einzigartige Zahl von Rennstarts und Siegen. Und obwohl sein kommender Geburtstag 15 Jahre über dem gesetzlichen Pensionsalter liegt, will der Wiener noch kein Renn-Rentner sein. Im November wird er wieder mit einem Porsche GT3 am Rennen in Daytona teilnehmen. „Viele haben mir letztes Jahr gesagt, lass es endlich. Aber gerade weil es so schwierig ist, so einen Einsatz vorzubereiten, reizt es mich doppelt. Es ist für mich immer noch das Schönste, Unmögliches möglich zu machen.“

Nur mit seinem Geburtstag selbst kann Quester nicht viel anfangen. „Es ist nichts so erfreuliches für mich. Natürlich muss man froh sein, wenn man dieses Alter erreicht. Es ist zwar nicht dramatisch, aber erschreckend, dass der Zeitablauf derart rasch ist.“ Auf der anderen Seite stehe: „Will man nicht 80 werden, muss man mit 75 den Löffel abgeben. Und das ist keine Option.“

Quester fährt immer noch stundenlang Mountainbike, macht auch leichtes Gewichtstraining. Fit sei er sicherlich. „Aber wie ein Turnschuh, das wäre übertrieben.“ Er setze nach wie vor alles daran, fit zu bleiben. „Ich kann es mir nicht vorstellen, mich nicht so zu bewegen, wie ich mich bewegen kann. Und im Grunde kann ich noch vieles machen, was viele Freunde nicht mehr können.“ Aber Naturwunder sei er natürlich keines. „So gesehen bin ich schon etwas demütig und zufrieden, dass es mir so gut geht.“

Quester wird seinen runden Geburtstag wie auch schon die vergangenen beim Salzburger Gaisbergrennen feiern. Am liebsten würde er aber an die Datumsgrenze reisen, gestand er vor seinem 80er der Austria Presse Agentur. „Irgendwohin, wo man hin- und her fahren und den Geburtstag noch ein bissl rauszögern kann.“




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