Letztes Update am Fr, 31.05.2019 16:58

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Papst vom rumänischen Patriarchen Daniel empfangen



Papst Franziskus ist am Freitagnachmittag im Rahmen seines Rumänien-Besuchs vom rumänisch-orthodoxen Patriarchen Daniel (Ciobotea) an dessen Amtssitz in Bukarest empfangen worden, wie Kathpress meldet. Der 67-jährige Patriarch leitet die mit 17 Millionen Gläubigen zweitgrößte orthodoxe Kirche nach der des Moskauer Patriarchats.

Nach einer privaten Unterredung mit Daniel traf Franziskus mit dem Ständigen Synod zusammen, dem Leitungsorgan der rumänisch-orthodoxen Kirche. In seiner Rede rief der Papst zum gemeinsamen Engagement gegen künstlich geschürte Ängste und Abschottung auf. Zugleich erinnerte er an die Blutzeugen aller christlichen Konfessionen während der Zeit des Kommunismus. Der Glaube, für den sie gestorben seien, sei ein gemeinsames Erbe und mahne heutige Christen zu Brüderlichkeit, sagte Franziskus.

Franziskus äußerte sich dabei besorgt über ein „künstlich geschürtes“ Gefühl der Angst, das zunehmend die Gesellschaft vergifte und das zu Abschottung und Hass führe. Die Kirchen müssten „einander helfen, nicht den Verführungen einer Kultur des Hasses und des Individualismus nachzugeben“, sagte der Papst. Diese Versuchungen seien „vielleicht nicht mehr ideologisch wie in den Tagen der atheistischen Verfolgung, aber nichtsdestoweniger noch verfänglicher und nicht weniger materialistisch“.

Weiter rief er Katholiken und Orthodoxe zum „gemeinsamen Gehen in der Kraft der Erinnerung“ auf. Als Herausforderung verwies er auf den sozialen und kulturellen Wandel in Osteuropa. Viele hätten von der technologischen Entwicklung und wirtschaftlichem Wohlstand profitiert, aber die meisten blieben „gnadenlos ausgeschlossen“. Zugleich raube eine „gleichmacherische Globalisierung“ den Völkern ihre Werte und schwäche die Ethik und die Gemeinschaft.

Mit Bezug auf die kommunistische Ära Rumäniens sagte der Papst mit Bezug auf den Tag der Kreuzigung Jesu, viele Christen hätten damals ihren „Karfreitag“ der Verfolgung erlebt. Viele Gläubige unterschiedlicher Konfessionen seien „Seite an Seite“ in den Gefängnissen gewesen und hätten sich gegenseitig Halt gegeben. „Das, wofür sie gelitten haben, bis hin zur Hingabe ihres Lebens, ist ein zu wertvolles Erbe, um es zu vergessen oder zu entehren“, sagte Franziskus zu den Vertretern der rumänisch-orthodoxen Kirche. Zu den Mitgliedern des Synods der rumänisch-orthodoxen Kirche gehört u.a. auch der für Österreich zuständige rumänisch-orthodoxe Bischof Serafim (Jonta).

Auch Patriarch Daniel erinnerte an die gemeinsame Erfahrung der kommunistische Verfolgung. Heute seien die Kirchen aufgerufen, in einem säkularisierten Europa christliche Werte zu wahren. Besonders nannte der Patriarch die Verteidigung der „traditionellen christlichen Familie aus einem Mann, einer Frau und Kindern“.

Im Anschluss an die Begegnung mit dem Synod war ein Besuch in der neuen orthodoxen Kathedrale in Bukarest angesetzt. Der Papst wird dort gemeinsam mit Orthodoxen das Vaterunser beten und es werden orthodoxe und katholische Osterhymnen erklingen. Auch ein Grußwort des Papstes stand auf dem Programm.

Zuvor hatte Franziskus Rumäniens Politik zur Festigung der demokratischen Strukturen und zum Verzicht auf Eigeninteressen aufgerufen. Seit dem Ende der Unterdrückung vor 30 Jahren habe das Land große demokratische Fortschritte gemacht, sagte der Papst in einer Rede vor Vertretern aus Politik, Gesellschaft und Diplomatie am Freitag in Bukarest laut Kathpress.

Rumänien müsse weiter daran arbeiten, den „berechtigten Erwartungen der Bürger“ zu entsprechen und strukturelle und institutionelle Voraussetzungen für deren Entwicklung zu schaffen. Dabei mahnte er zur Zusammenarbeit aller gesellschaftlichen Kräfte und zum Einsatz für das Gemeinwohl.

Die Bestrebungen der rumänischen Regierungspartei PSD, die Korruptionsbekämpfung und die Justiz im Land zu schwächen, hatte in letzter Zeit im In- und Ausland für heftige Proteste gesorgt. Die europäischen Sozialisten (PSE) suspendierten die Mitgliedschaft der PSD. Jüngst wurde die Partei durch die Inhaftierung ihres Chefs Liviu Dragnea und eine Schlappe bei der Europawahl in eine schwere Krise gestürzt. Auch das Verhältnis zwischen der linksliberalen Regierung und dem bürgerlichen Staatspräsidenten Klaus Johannis ist seit langem angespannt.

Als größte Herausforderung nach der Wende bezeichnete der Papst die Auswanderung mehrerer Millionen Rumänen auf der Suche nach Arbeit und besseren Lebensbedingungen. Dabei erinnerte er an die Entvölkerung auf dem Land. Damit einher gehe die Schwächung kultureller und religiöser Wurzeln, die das Land im Widerstand getragen hätten. Zugleich würdigte Franziskus den wirtschaftlichen und kulturellen Beitrag von Rumänen im Ausland.

Nachdrücklich rief der Papst zur Integration der Schwächsten und Ärmsten auf. „Je mehr sich eine Gesellschaft das Los der am meisten Benachteiligten zu Herzen nimmt, desto mehr kann sie wirklich zivilisiert genannt werden“, sagte Franziskus.

Staatspräsident Johannis, der der deutschsprachigen Minderheit angehört, nannte seinerseits den Papstbesuch eine „Ermutigung, einen Dienst für das Gemeinwohl zu leisten und zu einer gerechten Gesellschaft beizutragen“. Im Blick auf die für Sonntag geplante Seligsprechung von sieben griechisch-katholischen Märtyrer-Bischöfen sprach Johannis in seiner Begrüßung von einer „Würdigung aller, die sich währen der kommunistischen Zeit für die Freiheit und den Glauben geopfert haben“.

Der Papstes hielt seine Rede zu Beginn seines dreitägigen Besuchs am Amtssitz des Staatspräsidenten auf Schloss Cotroceni. Zuvor war er dort mit militärischen Ehren willkommen geheißen worden. Anschließend zog er sich mit Johannis zu einer privaten Unterredung zurück. Danach sprach er auch mit der sozialdemokratischen Ministerpräsidentin Viorica Dancila.

Das öffentliche Leben in Bukarest stand am Freitag im Zeichen des Besuchs von Franziskus. Obwohl die katholische Bevölkerung in der Hauptstadt nur eine Minderheit von 1,2 Prozent bildet, blieben die Schulen geschlossen. Tausende säumten die Fahrtstrecke des Papstes vom Flughafen zum Präsidentensitz Schoss Cotroceni im Osten der Hauptstadt. Die bisher einzige Visite eines katholischen Kirchenoberhaupts war die von Johannes Paul II. 1999.




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