Letztes Update am So, 02.06.2019 20:19

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Giro-Triumph für Ecuadorianer Carapaz



Richard Carapaz hat sich den Sieg beim 102. Giro d‘Italia im abschließenden 17-km-Zeitfahren am Sonntag in Verona erwartungsgemäß nicht mehr nehmen lassen. Der 26-Jährige aus dem spanischen Movistar-Team realisierte mit dem Triumph bei der Italien-Radrundfahrt nicht nur seinen größten Erfolg, sondern sorgte auch für den ersten Grand-Tour-Gewinn eines Ecuadorianers.

„Es ist ein Traum, es ist aber auch der Lohn für die harte Arbeit. Ich kann gar nicht beschreiben, was ich fühle, diese Momente mit meiner Familie zu erleben. Für mich ist das der größte Triumph, den ich in meinem Leben erreichen kann“, betonte Richard Carapaz.

Ehefrau Anita Rosero hatte sich samt Söhnchen Richard Santiago und Töchterchen Aimy Sofia auf die Reise nach Italien gemacht und erlebte die Siegerehrung im Amphitheater von Verona mit. Ecuadors Staatschef Lenin Moreno verfolgte den Endspurt von Carapaz auf einer Großleinwand im Kunstmuseum von Guayaquil. Der erste Sieg eines Ecuadorianers beim Giro wurde von vielen Einwohnern des südamerikanischen Landes zelebriert - über politische Rivalitäten hinweg. Sowohl Moreno als auch sein arg verfeindeter Vorgänger Rafael Correa twitterten an Carapaz ihre Glückwünsche.

Im ganzen Land war die letzte Giro-Etappe bei Public-View-Veranstaltungen übertragen worden. Das staatliche Fernsehen hatte vom Sportsender ESPN die Übertragung übernommen. In der Hauptstadt Quito wurde eine Radfahrer-Statue in das Rosa Trikot des Giro-Gewinners gehüllt.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Im Vorjahr bei seinem Giro-Debüt mit einem Etappenerfolg Vierter, gewann das 60-kg-Leichtgewicht diesmal dank seines Klettervermögens zwei Tagesabschnitte. In der dritten Woche ließ er sich das mit dem Erfolg in Courmayeur eroberte Rosa Trikot auch dank der perfekten Unterstützung seines stark aufgestellten Teams um Edelhelfer Mikel Landa nicht mehr nehmen.

Im Endklassement lag der in Kolumbien ausgebildete und seit 2016 für Movistar fahrende Carapaz 1:05 Minuten vor dem zweifachen Giro-Sieger Vincenzo Nibali (Team Bahrain). Dritter wurde der im Vorfeld favorisiert gewesene Slowene Primoz Roglic (Jumbo/2:30 Min.), der Landa im Zeitfahren noch um acht Sekunden vom Podest verdrängte. Die Schlussetappe ging an den US-Amerikaner Chad Haga (Sunweb). Nibali war als bester der Topklassementfahrer unmittelbar vor dem in den beiden vorangegangenen Zeitfahren siegreichen Roglic Neunter. Carapaz reichte Rang 36 locker zur triumphalen Einfahrt in die Arena von Verona.

Carapaz ist neben den Kolumbianern Nairo Quintana (Sieger Giro 2014, Vuelta 2016) und Egan Bernal der nächste Radprofi aus Südamerika, der das Geschehen der großen Rundfahrten in den nächsten Jahren mitprägen könnte. Vorjahressieger Chris Froome war beim Giro diesmal nicht am Start gewesen, sein Vorgänger Tom Dumoulin musste nach einem Sturz auf der fünften Etappe aufgeben.

Die beiden Österreicher Michael Gogl (Trek) und Marco Haller (Katjuscha) hatten bei ihren Giro-Debüts Helferdienste zu verrichten. Beide durften sich über Top-Ten-Gesamtergebnisse ihrer Kapitäne Bauke Mollema (Trek/5.) und Ilnur Sakarin (Katjuscha/10.) freuen. Sakarin und Giulio Giccone, der auch noch das Berg-Gesamtklassement gewann, feierten außerdem je einen Etappensieg.




Kommentieren