Letztes Update am Mo, 03.06.2019 06:22

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Knowle beendet Karriere und ist Touring-Coach von Novak



Er ist Österreichs Doppel-Pionier in der Tennis-Profi-Ära und leitete eine Serie von rot-weiß-roten Erfolgen im Doppel ein. Nun hat sich Julian Knowle mit 45 entschieden, seine Karriere, die er 1992 als Einzelspieler begonnen hatte, an den Nagel zu hängen. Zudem verriet er der APA - Austria Presse Agentur, dass er nun u.a. als Touring-Coach des zweitbesten Österreichers, Dennis Novak, tätig ist.

„Ich habe bis März ernsthaft versucht, noch einmal zurückzukommen. Aber in diesem Jahr habe ich gemerkt, es vergeht keine Woche im Training, in dem nicht irgendein anderes Wehwehchen kommt“, erklärte Knowle, der seinen Comeback-Versuch im März in Marseille wegen plötzlicher Rückenschmerzen absagen musste.

Anfang des Jahres habe er eine Coaching-Anfrage des aktuell viertbesten Schweizers, Marc-Andrea Hüsler (ATP-274.), bekommen. „Ich soll bis maximal zehn Wochen mit ihm touren“, erzählte der ehemalige US-Open-Doppel-Champion (2007). Damals dachte Knowle noch, er könne dies gut mit seiner Karriere verbinden. Nach einer langen Pause wegen einer Ellbogenverletzung hat er noch bis September 2020 ein geschütztes Ranking für zwölf Turniere.

„Dann kam Mitte April aber auch eine zusätzliche Anfrage von Dennis Novak, ob ich ihm helfen könnte auf der Tour“, erzählte der Vorarlberger. Novak ist Österreichs zweitbester Einzelspieler und als aktuell 113. auf dem erstmaligen Sprung in die Top 100. Sein Hauptcoach ist Wolfgang Thiem. Da beide Neo-Schützlinge aufgrund des verschiedenen Rankings auch verschiedene Turniere spielen, ließ sich dies für Knowle nur schlecht vereinbaren.

„Ich habe immer gesagt, wenn ich etwas mache, dann mache ich es anständig und zu hundert Prozent“, sagte Knowle. Als er nach einem Gespräch die Zusage von Novak erhalten hat, war er kurz ratlos. „Der erste Impuls von mir war ‚Shit, was mache ich jetzt?‘“, gestand der 19-fache Doppel-Turniersieger. Doch innerhalb von zwei Tagen des Nachdenkens war für den zweifachen Vater Knowle klar, dass dies für ihn der neue Weg ist. Er hätte zwar immer noch sehr viel Spaß am Wettkampf, aber der Körper lässt es nicht mehr zu.“Ich kann nicht die Umfänge trainieren, die ich bräuchte. Und ich stelle mich nicht hin, um mich abschlachten zu lassen.“

Dennoch wird man Knowle noch auf dem einen oder anderen Event sehen. Von den zwölf „protected rankings“ will er noch auf dem einen oder anderen Turnier spielen, vor allem auch bei den lukrativen Grand Slams. „Ich habe gelesen, dass Leander Paes der Älteste ist, der je in der ‚open era‘ ein Match bei den French Open gewonnen hat mit 45. Da hat es mich schon wieder gejuckt für nächstes Jahr“, meinte Knowle lachend. Aber: „Jetzt ist es mehr oder weniger ein Spaß und ich habe keine Ambitionen mehr, was meine aktive Karriere betrifft, sondern ich möchte mit den Spielern auch was bewegen.“

Als Touring-Coach war er mit Hüsler schon drei Wochen in Mexiko unterwegs, wo sein Schützling in San Luis Potosi gleich seinen ersten Challenger gewann. Mit Novak gilt die Vereinbarung als Touring-Coach für „10 bis 15 Wochen“. Auch mit Novak war er in Heilbronn (Semifinale) und in der Paris-Qualifikation (Aus in Runde eins) schon mit. Nun begleitet er Novak in der Rasen-Saison. „Nach Wimbledon setzen wir uns zusammen und schauen, wie das für beide passt.“

Nach eineinhalb Jahren Zeit, in der er sich auf das Farewell einstellen konnte, ist er „überhaupt nicht wehmütig“. „Ganz im Gegenteil. Ich bin unheimlich dankbar dafür, dass ich länger spielen habe können als 99 Prozent meiner Kollegen.“

Sein Rückblick ist durchaus auch mit Stolz: „Als ich 2005 vom Einzel zum Doppel gewechselt habe, da haben mich schon einige auch belächelt“, erinnert sich Knowle. Nach dem Motto „Jetzt ist er völlig übergeschnappt“. Als Knowle 2007 als erster Österreicher überhaupt zum Grand-Slam-Doppel-Sieger wurde (US Open), sah das anders aus. „Da haben sich andere gedacht, was der kann, kann ich schon lange und das war auch gut so. Es stimmt ja auch..“

Der nun 45-Jährige hat sich in jungen Jahren das Tennis selbst beigebracht und sowohl Vorhand, Rückhand als auch Volley beidhändig gespielt. „Mit dem Wissen von heute würde ich natürlich alles einhändig machen“, gesteht Knowle.

Knowle ist bis heute auch der einzige Österreicher, der beim Masters der besten acht Doppel das Endspiel (2007) erreicht hat. Er stand zudem auch im Wimbledon-Finale und im French-Open-Halbfinale. Sein größter Einzelerfolg? „Die dritte Runde in Wimbledon 2002, in der ich dann vom (Lleyton) Hewitt eine Packung gekriegt habe“, erinnerte er sich lachend.

Als er zum Davis Cup gekommen war, habe es nur Alex Antonitsch gegeben. Damals war teamintern sozusagen fix, dass man den Doppelpunkt „eh nicht gewinnen“ wird. Dies hat sich nach und nach geändert, mittlerweile rechnet man im ÖTV-Team mit dem Doppelzähler.

In fünf Jahren wird die ATP beginnen, Knowle eine Pension auszuzahlen. Die Höhe kennt er noch gar nicht. Er wird dann 20 Jahre lang eine monatliche Zahlung erhalten.

So richtig in Pension geht er aber noch lange nicht. Und mit Dennis Novak hat er eine interessante Aufgabe erhalten. „Ich finde den Dennis super spannend. Von seinem Potenzial her müsste er ganz woanders stehen.“

Er selbst wird also nur noch ein paar Turniere zum Spaß spielen. „Es war wichtig für mich, dass ich echt versucht habe, alles noch einmal auszureizen“, erklärt der Wahl-Wiener. „Das ist auch der Grund, warum ich in Frieden sagen kann, okay es ist gut so. Jetzt ist halt irgendwie einfach das Ende da.“




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