Letztes Update am Mo, 03.06.2019 08:25

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tote bei Zuspitzung der innenpolitischen Krise im Sudan



Im Sudan ist das Militär laut Opposition und Ärzten mit Gewalt gegen Demonstranten vorgegangen. Dabei seien zwei friedliche Demonstranten erschossen worden, twitterte ein sudanesischer Ärzteverband, der der Protestbewegung nahe steht, am Montag.

Ein Anrainer sagte der Nachrichtenagentur AFP, er habe Schüsse gehört und Rauch gesehen. Ein anderer Anrainer sagte, Einsatzkräfte in Polizeiuniformen hätten versucht, eine Straße nahe der Proteste zu räumen.

Das regierende Militär hatte offenbar damit begonnen, eine seit Wochen andauernde Sitzblockade tausender Demonstranten vor dem Armeehauptquartier aufzulösen. Der an der Spitze der Proteste stehende Berufsverband SPA erklärte am Montag, der Militärrat habe einen „Versuch“ gestartet, den Platz vor dem Armeehauptquartier in der Hauptstadt Khartum „gewaltsam“ zu räumen. Die Demonstranten fordern eine zivile Regierung für den Sudan.

Der SPA warnte vor einem „blutigen Massaker“ und forderte die Sudanesen zu „totalem zivilen Ungehorsam“ und neuen Protesten auf, um den Militärrat zu stürzen. Der britische Botschafter im Sudan, Irfan Siddiq, twitterte, man sei „extrem besorgt“ über die Schüsse, die zu hören seien.

Der arabische Fernsehsender Al-Jazeera berichtete, die Opposition habe zu zivilem Ungehorsam aufgerufen. Laut Opposition verliefen die Sitzstreiks friedlich. Sie hätten die Soldaten nicht provoziert.

Im Sudan hatte nach dem Sturz des langjährigen Staatschefs Omar al-Bashir infolge von monatelangen Massenprotesten im April ein Militärrat die Führung übernommen. Mit diesem einigte sich die Protestbewegung Mitte Mai grundsätzlich darauf, dass ein gemeinsamer Übergangsrat die Geschicke des Landes in den kommenden drei Jahren lenken soll. Seither herrscht aber Streit darüber, welche Seite dieses Gremium führen soll.




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