Letztes Update am Mo, 03.06.2019 11:03

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Sudanesische Armee geht mit Gewalt gegen Demonstranten vor



Im Sudan geht das regierende Militär mit Gewalt gegen Demonstranten vor. Die Armee versuche, die wochenlangen Straßenblockaden bei ihrem Hauptquartier in der Hauptstadt Khartum aufzulösen, erklärte der an der Spitze der Proteste stehende Berufsverband SPA am Montag. Laut des oppositionsnahen Zentralkomitees sudanesischer Ärzte wurden mindestens fünf Menschen getötet und mehrere weitere verletzt.

Seit rund zwei Monaten blockieren tausende Demonstranten die Straßen um das Armeehauptquartier in Khartum. Sie fordern eine zivile Regierung für den Sudan. Der Militärrat bezeichnete die Protestkundgebungen als „Gefahr für die Sicherheit und den öffentlichen Frieden“ und kündigte ein „entschlossenes“ Vorgehen an.

Wie das Ärztekomitee im Online-Netzwerk Facebook mitteilte, wurden bei der Räumung der Straßenblockaden „friedliche Demonstranten“ erschossen. Die Schüsse seien auf Anordnung des Militärrats abgegeben worden. Eine „große Zahl“ weitere Menschen sei schwer verletzt worden.

Auf den Straßen von Khartum wurde die Militärpräsenz deutlich verstärkt. Ein Anrainer sagte, er habe Schüsse gehört und Rauch gesehen. Ein anderer erzählte, Einsatzkräfte in Polizeiuniformen hätten versucht, eine Straße nahe der Proteste zu räumen.

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Der Berufsverband SPA sprach mit Blick auf die Räumung der Straßenblockaden von einem „blutigen Massaker“. Er rief die Bevölkerung zum „totalen zivilen Ungehorsam“ mit dem Ziel auf, den Militärrat zu stürzen. Die „Revolutionäre“ sollten auf die Straße gehen und ihre Proteste fortsetzen.

Die Allianz für Freiheit und Wandel, in der die Protestbewegungen zusammenarbeiten, rief zu landesweiten Demonstrationen auf. Auch in Khartum sollten „friedliche Märsche und Kundgebungen“ abgehalten und Barrikaden errichtet werden. In der Hauptstadt hatten Demonstranten bereits eine Barrikade aus Ziegeln und brennenden Reifen auf der Street 60, einer der wichtigsten Straßen Khartums, errichtet.

Die US-Botschaft in Khartum forderte ein sofortiges Ende der „Angriffe“ auf die Protestierenden. Das Vorgehen der sudanesischen Sicherheitskräfte sei „falsch“, schrieb die Botschaft im Onlinedienst Twitter. Die Verantwortung dafür trage die Militärregierung. Der Rat könne die Menschen des Sudan nicht verantwortungsvoll führen, hieß es.

Der britische Botschafter in Khartum, Irfan Siddiq, äußerte sich „extrem besorgt“ über die Entwicklungen. Es gebe „keine Entschuldigung für derartige Angriffe“ der Armee, schrieb er bei Twitter. Das Vorgehen gegen die Demonstranten müsse sofort eingestellt werden.

Im Sudan hatte nach dem Sturz des langjährigen Staatschefs Omar al-Bashir infolge von monatelangen Massenprotesten im April ein Militärrat die Führung übernommen. Mit diesem einigte sich die Protestbewegung Mitte Mai grundsätzlich darauf, dass ein gemeinsamer Übergangsrat die Geschicke des Landes in den kommenden drei Jahren lenken soll. Seither herrscht aber Streit darüber, welche Seite dieses Gremium führen soll. Die Verhandlungen sind jüngst zusammengebrochen. Die Sitzblockade, die maßgeblich zum Sturz Bashirs beigetragen hatte, wurde auch nach dem Putsch fortgeführt.




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