Letztes Update am Mo, 03.06.2019 20:39

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Italiens Premier stellt Koalitionskräften Ultimatum



Nachdem er am Samstag sein erstes Jahr im Amt gefeiert hat, hat der italienische Premier Giuseppe Conte den Koalitionskräften Lega und Fünf Sterne-Bewegung ein Ultimatum gestellt. Sollte der Dauerstreit der Wahlkampfmonate und das „konfliktbeladene Klima“ anhalten, sei er zum Rücktritt bereit.

„Die politischen Kräfte der Mehrheit müssen sich ihrer Verantwortung im Klaren sein“, so Conte. Er sei nicht bereit, dahinzusiechen, sollten die Koalitionskräfte nicht geschlossen die Regierung unterstützen. Sollte er keine Kooperationsbereitschaft seitens der Parteien feststellen, sei er zum Rücktritt bereit. „Es ist jetzt Aufgabe der politischen Kräfte, eine Entscheidung zu treffen: Ich erwarte mir eine klare Antwort, weil das Land nicht warten kann“, warnte der parteilose Premier. Nur mit „loyaler Zusammenarbeit“ zwischen den Regierungsparteien könne das Kabinett weiter arbeiten.

Conte erklärte sich bereit, eine „Phase zwei“ der Regierungstätigkeit einzuleiten. Prioritär seien in dieser neuen Phase Wirtschaftswachstum und Steuersenkung im Einklang mit den EU-Regeln, die laut Conte respektiert werden müssten, solange diese nicht geändert werden könnten. Er sei bereit, sich weiterhin für die „Regierung des Wandels“ einzusetzen, die seit einem Jahr in Italien im Sattel sei. Italien benötige jedoch eine „weitsichtige Planung“, die die Kräfte aller Koalitionspartner benötige.

Die Italiener hätten bei den EU-Wahlen ihr Vertrauen in der Regierung bestätigt. Ständige Provokationen und Konflikte zwischen den Regierungskräften würden jedoch die Kommunikation beeinträchtigen und an Energien nagen. „Die Italiener rufen uns zur Fortsetzung unserer Arbeit auf und wir müssen mit höchster Konzentration weiterarbeiten“, sagte Conte.

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Der Vizepremier und Lega-Chef, Matteo Salvini, reagiert auf das Ultimatum Contes mit Dialogbereitschaft. „Wir haben nie aufgehört, für Italien zu arbeiten. Wir haben darauf verzichtet, auf Polemik und Beschimpfungen zu reagieren. Das haben die Italiener mit neun Millionen Stimmen für die Lega anerkannt“, so Salvini auf Facebook.

„Wir wollen weiterarbeiten und haben keine Zeit zu verlieren“, sagte Salvini und listete Prioritäten des Wahlprogramms auf, zu denen Steuersenkung, Förderung des Wirtschaftswachstums und Infrastrukturen zählen.

Die Opposition reagierte kritisch auf Contes Rede. Die Sozialdemokraten (PD) sprachen von einem „Klima des Verfalls in der Regierung“. In dieser Lage sei das Weiterregieren unmöglich. „Die Worte Contes haben de facto eine Regierungskrise eröffnet. Wegen des Dauerstreits zwischen den Koalitionspartnern kann diese Regierung nicht weitermachen. Conte soll den Mut haben, um im Parlament über den Stillstand der Regierung zu berichten, der seit Monaten andauert“, so der PD-Fraktionschef in der Abgeordnetenkammer, Graziano Delrio.




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