Letztes Update am Di, 04.06.2019 13:34

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Klangspuren Schwaz:“Utopische Gegenwelten“ in Ibiza-Zeiten



Die vom 6. bis 22. September stattfindenden Klangspuren Schwaz setzen in diesem Jahr auf „utopische Gegenwelten“, die der neue künstlerische Leiter Reinhard Kager bewusst den „sozialen Zersetzungsprozessen“ entgegenstellen möchte. „Es wird auch eine Art von ‚Festival im Festival‘ geben, das sich gebündelt der Improvisationsmusik widmet“, sagte Kager am Dienstag.

Einen „Vertrauensschwund in die Werte des westlichen Lebens“ ortete Kager gegenwärtig insgesamt in Österreich, Deutschland, Frankreich oder den USA. „Und zwar nicht erst seit Ibiza“, nahm er bei einer Pressekonferenz Bezug auf die Video-Causa rund um Ex-FPÖ-Vizekanzler und -Parteichef Heinz-Christian Strache. „Ein Festival darf angesichts der derzeitigen Vorgänge und Veränderungen jedenfalls nicht die Augen verschließen“, konstatierte der künstlerische Leiter.

Die passende Musik für den angestrebten musikalischen Protest fand er unter anderem beim diesjährigen „Composer in Residence“, Mark Andre. Dieser spinne „keinen lautstarken Protest“, sondern entwerfe „fein durchdachte Klangwelten“. Klangwelten offenbar, die sich für Kager gut zur Erschaffung der mehrmals beschworenen „utopischen Gegenwelten“ zu eignen scheinen, in welchen „neue Horizonte“ eröffnet werden sollen. Deutlich nüchterner benannte diesbezüglich der angesprochene Mark Andre seine Musik als „Risse-Entfaltung der kompositorischen Zwischenräume“. Von ihm wird unter anderem „Riss 1“ bis „Riss 3“ beim Festival zur Aufführung gebracht.

Politisch konkretere Bezugnahmen darf man sich vom Komponisten Jorge Sánchez-Chiong erwarten. Sein etwa 15 Minuten kurzes Werk „Bill“ präsentiert unter anderem „zuverlässige Zahlen über Rüstungsausgaben“, wie Sánchez-Chiong festhielt. „Es ist schon politisch gedachte Musik, da ich viel Zeitung lese“, ergänzte er. Einen noch handfesteren Verweis auf politische Ereignisse erwartet die Zuhörer zudem bei der Komposition „anaptyxis“ von Olga Neuwirth, die die erste schwarz-blaue Regierung im Jahr 2000 als Kompositionsanlass nahm.

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Vom 19. bis 21. September ist darüber hinaus für das Festival Klangspuren eine Novität geplant. Kager hat sich dazu entschlossen, die neu forcierte Improvisationsschiene bei einem „Festival im Festival“ gebündelt zu präsentieren. Zu hören ist bei diesem unter anderem die amerikanische Harfenistin Zeena Parkins, welche die neue geschaffene Rolle als „Improviser in Residence“ ausfüllen wird. Zugegen in diesem Rahmen sind außerdem die deutsche Free-Jazz-Legende Peter Brötzmann oder der japanische Gitarrist und Turntable-Künstler Otomo Yoshihide.

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