Letztes Update am Mi, 05.06.2019 14:42

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Rund 160.000 Besucher bei Rock am Ring und im Park erwartet



Ein weitgespanntes Programm soll rund 160.000 Besuchern am Pfingstwochenende bei den deutschen Festivals „Rock am Ring“ und „Rock im Park“ einheizen. Rund 80 Bands haben sich vom 7. bis 9. Juni auf den drei Bühnen am Nürburgring in der Eifel angekündigt. Zeitgleich findet das etwas kleinere Zwillingsfestival „Rock im Park“ in Nürnberg statt.

Auf dem Programm stehen etwa die Metal-Bands Slipknot, Tool und Bring Me The Horizon. Für Punk-Fans spielen Die Ärzte und Feine Sahne Fischfilet. Hip-Hop ist unter anderem mit Marteria und Caspar vertreten. Auf der Bühne stehen auch der Rockmusiker Slash, der mit der Band Guns N“ Roses bekannt geworden ist, die Comedy-Band Tenacious D und die Grunge-Band Alice in Chains.

Während sich unter den Besuchern nach Veranstalterangaben rund 40 Prozent Frauen finden, sieht das Verhältnis auf der Bühne noch weit ungleicher aus. Grob überschlagen werden an den drei Festival-Tagen etwa 250 Musiker auf der Bühne stehen. Darunter sind, wenn man nach den Fotos auf der „Rock im Park“-Homepage geht, - sage und schreibe - nicht einmal zehn Frauen.

„Es gibt einfach viel mehr männliche Rockmusiker“, sagt der Musiksoziologe Holger Schwetter. „Rock galt - und gilt - eher als Jungssache, Mädchen werden eher angehalten, weiche Instrumente zu lernen: Flöte, Geige, Klavier und nicht Schlagzeug, Bass oder E-Gitarre.“

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Katharina Wenisch, die Sprecherin von Festivalveranstalter Marek Lieberberg, sagt: „Bei der Auswahl der Bands beziehungsweise Solo-Künstler, die bei „Rock am Ring“ und „Rock im Park“ spielen, achten wir vorrangig darauf, dass sie zu unseren Stilrichtungen passen. Hier sind Qualität und Aktualität entscheidend.“ Eine „gender-bezogene Auswahl“ finde nicht statt, obwohl „eine Erhöhung des Frauenanteils extrem wichtig“ sei - „nicht nur aus ökonomischer Hinsicht, sondern auch aus einem kulturell-sozialen Blickwinkel betrachtet“.

In der klassischen Musik gebe es inzwischen zwar mehr Frauen als früher, so Ilka Siedenburg, Professorin für Musikpädagogik an der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) in Münster: „Aber im Pop, Rock und Jazz sind es erschreckend wenig. In Studiengängen für Populäre Musik liegt der Frauenanteil aktuell bei 20 bis 25 Prozent. Berücksichtigt man nur die Instrumentalistinnen, landet man im einstelligen Bereich.“

Es sei „gesellschaftlich nicht erwünscht, wenn Mädchen und Frauen Aggressionen zeigen und rauslassen“, sagt Musiksoziologe Schwetter. „Und die Frauen in der Rockgeschichte werden marginalisiert.“ Bob Dylan gelte zum Beispiel als „wertvoller“ als Joni Mitchell.

Dass es in der Festival-Planung aber auch anders geht, hat das Festival „Primavera Sound“ in Barcelona gezeigt. Dort gab es eine Frauenquote und mehr als 50 weibliche Acts - und trotzdem rund 200.000 Besucher. Schwetter sagt, er habe inzwischen Konsequenzen gezogen: „Ich habe für mich persönlich eine Frauenquote beim Musik-Kaufen eingeführt.“




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