Letztes Update am Mi, 05.06.2019 14:59

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Berlin geht nicht auf Athens Reparationsforderungen ein



Die deutsche Bundesregierung zeigt keine Bereitschaft, mit Griechenland über Reparationen für die von Deutschland im Ersten und Zweiten Weltkrieg verursachten Schäden zu verhandeln. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts (AA) bekräftigte am Mittwoch in Berlin, dass das Thema für die Bundesregierung „rechtlich und politisch abgeschlossen“ sei.

Am Dienstag hatte der griechische Botschafter in Berlin eine sogenannte Verbalnote übergeben, in der die deutsche Regierung zu Verhandlungen über Reparationen aufgefordert wird. Der AA-Sprecher konnte noch nicht sagen, ob die Note beantwortet wird. Er verwies darauf, dass solche Schreiben vertraulich behandelt würden.

Athen hatte die Verbalnote Ende April angekündigt. Damals beauftragte das Parlament die Regierung von Ministerpräsident Alexis Tsipras damit, Reparationen von Deutschland zu fordern. Tsipras hatte erklärt, nach dem Ende der Hilfsprogramme für das pleitebedrohte Land sei nun der richtige Augenblick. Es sei ihm wichtig, mit Deutschland auf Augenhöhe und freundschaftlich zusammenzukommen.

Ein Parlamentsausschuss in Athen bezifferte im vergangenen Jahr die Summe, die Deutschland Griechenland schulden soll, auf mindestens 270 Milliarden Euro. Diese Forderung soll Reparationen für Schäden und Plünderungen während des Ersten Weltkrieges sowie für Massaker und einen Zwangskredit während des Zweiten Weltkriegs abdecken.

Das griechische Parlament verabschiedete im April mit breiter Mehrheit eine Resolution, mit der die Zahlung der Reparationen gefordert wurde. Nach einer amtlichen griechischen Schätzung könnten zu den Reparationsforderungen des Staates weitere private Forderungen im Umfang von 107 Milliarden Euro kommen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel erkannte die historische Verantwortung Deutschlands für in Griechenland begangenes Unrecht während der Nazizeit bei einem Besuch in Jänner an. Allerdings sieht Deutschland das Thema der Reparationszahlungen als erledigt an; die Regierung in Berlin stützt sich dabei auf den 1990 zur deutschen Wiedervereinigung unterzeichneten Zwei-plus-Vier-Vertrag. Juristen und Historiker jedoch sind sich uneins über das Anrecht der Griechen auf Reparationen.




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