Letztes Update am Mi, 05.06.2019 16:08

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Militärführung des Sudan bereit für Verhandlungen



Nach der Aufkündigung der Verhandlungen mit der Opposition ist die Militärführung im Sudan nach eigenen Angaben wieder offen für Gespräche. Der regierende militärische Übergangsrat sei ohne Vorbedingungen bereit zu Verhandlungen mit anderen Gruppen, sagte der Chef des Rats, Abdel Fattah Burhan, am Mittwoch in einer Fernsehansprache.

Man tue dies im Interesse des Landes und um zu vermeiden, dass das Land im Chaos versinke, hieß es. Zuvor hatten Sicherheitskräfte gewaltsam eine Sitzblockade in der Hauptstadt Khartum, die wochenlang andauerte und maßgeblich zum Sturz von Langzeitmachthaber Omar al-Bashir beigetragen hatte, aufgelöst. Einem Ärzteverband zufolge wurden mindestens 60 Menschen getötet und mehr als 300 verletzt. Daraufhin erklärte der Übergangsrat die Gespräche für beendet, kündigte die Zugeständnisse an die Opposition auf und Wahlen an.

Die Zahl der Opfer könnte womöglich noch weiter steigen. Unter den Verletzten gebe es immer noch viele, deren Zustand ernst sei, sagte ein Arzt der Presse. Die meisten Krankenhäuser hätten mehr Opfer aufgenommen, als ihre Kapazitäten zuließen, Personal und Blutkonserven seien knapp. Zudem seien Operationen „schwierig“, da einige Eingriffe nur in bestimmten Kliniken vorgenommen werden könnten.

Die Lage in Khartum blieb weiterhin überaus angespannt. Im Norden der Hauptstadt errichteten Hunderte Bewohner aus Steinen Straßenbarrikaden, wie ein Augenzeuge berichtete. Entfernt waren Schüsse zu hören. Der Militärrat erklärte, er „bedauert“ die Vorfälle und bezeichnete sie als schiefgelaufene „Aufräumarbeiten“.

Das Vorgehen der Sicherheitskräfte stieß international auf scharfe Kritik. Der UN-Sicherheitsrat konnte sich allerdings in einer Sitzung am Dienstag nicht auf eine einheitliche Haltung zur Krise im Sudan einigen. Nach Angaben von Diplomaten blockierten die Vetomächte China und Russland eine Erklärung, mit der unter anderem das gewaltsame Vorgehen der Streitkräfte gegen die Protestbewegung verurteilt werden sollte.

Das Außenministerium in Wien hat seine Reisehinweise nach der blutigen Gewalt bisher nicht geändert. Auf der Homepage des Ministeriums heißt es seit dem 11. April unverädnert: „Die Lage im Sudan ist derzeit angespannt. Bei Protesten kommt es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften, die auch Todesopfer fordern. Gewalttätige Ausschreitungen können auch in der Hauptstadt Khartum nicht ausgeschlossen werden. In einigen Bundesstaaten wird immer wieder begrenzt der Ausnahmezustand ausgerufen. Die Lage ist auf Grund der jüngsten Entwicklungen besonders unübersichtlich. Es wird geraten, sich von Demonstrationen und sonstigen größeren Menschenansammlungen fernzuhalten und Anweisungen der lokalen Sicherheitskräfte Folge zu leisten.“ Das deutsche Auswärtige Amt rät seit Mittwoch von nicht dringend erforderlichen Reisen in den Sudan ab.




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