Letztes Update am Do, 06.06.2019 10:33

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Prozess nach Tod eines Babys gegen Vater in Wiener Neustadt



Nach dem Tod seines vier Monate alten Babys ist ein 20-Jähriger am Donnerstag in Wiener Neustadt vor Gericht gestanden. Der Vater soll den Säugling Ende Oktober 2018 in seiner Wohnung in Neunkirchen geschüttelt haben, der Bub starb rund zwei Wochen später im Spital. Der Angeklagte bekannte sich zum Vorwurf der Körperverletzung mit tödlichem Ausgang nicht schuldig.

Das Baby hatte in der Nacht auf den 30. Oktober des Vorjahres zum ersten Mal alleine bei seinem Vater in dessen Wohnung geschlafen. Die Mutter des Babys soll den 20-Jährigen dazu gedrängt haben, weil sie einmal eine Nacht durchschlafen wollte, sagte die Staatsanwältin. Der Beschuldigte soll seinen Sohn laut Anklage mit beiden Armen vor sich in die Luft gehalten und mehrfach schnell vor und zurück bewegt haben. Das Opfer erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma mit Blutung in die Schädelhöhle und Blutungen im Gehirn mit wässriger Hirnschwellung. Das Baby wurde ins Krankenhaus gebracht. Trotz intensivmedizinischer Behandlung starb der Bub am 14. November an den Folgen einer Atem- und Hirnlähmung.

Eine Obduktion ergab Hinweise auf Fremdverschulden. Der teilweise einschlägig vorbestrafte Vater - er ist österreichischer Staatsbürger - wurde in Folge festgenommen und in die Justizanstalt Wiener Neustadt eingeliefert, er befindet sich seither in U-Haft.

Der Angeklagte sei im strafrechtlichen Sinne „massiv einschlägig vorbelastet“, betonte die Staatsanwältin im Eröffnungsvortrag. Er wollte demnach zuerst, dass die Mutter abtreibt, habe sich aber nach der Geburt darum bemüht, sich um das Kind zu kümmern. Er sei anfangs zwar nur für wenige Minuten, aber doch immer wieder mit dem Baby alleine gewesen und sei später auch mit dem Buben spazieren gegangen. Der junge Mann hat laut Staatsanwältin „massive Aggressionsprobleme“ gehabt, er soll mit der Vaterrolle „überfordert“ gewesen sein, Gegenstände und Möbel durch die Wohnung geschleudert und sich selbst in den Oberschenkel geschnitten haben.

Zudem soll der Beschuldigte den gemeinsamen Sohn laut der Mutter zu grob angefasst und insbesondere den Kopf nicht genug gestützt haben. Weiters will sie Verletzungen wie Hämatome am Körper des Säuglings entdeckt und Fotos davon gemacht haben. Der 20-Jährige soll ihren Angaben zufolge unmittelbar nach dem Eintreffen in ihrer Wohnung hysterisch geschrien haben, dass er in den „Häfn“ gehe. Bisher hat der Beschuldigte laut Staatsanwältin „widersprüchliche Varianten von Geschichten“ präsentiert.

Sowohl der Angeklagte als auch die Mutter „sind selbst noch Kinder“, sagte Verteidiger Wolfgang Blaschitz. Die beiden stammen aus „vollkommen desaströsen Verhältnissen“ und haben sich in einer betreuten Einrichtung befunden, meinte er. Der junge Mann habe sich mit seiner Rolle angefreundet und sei im Rahmen seiner Möglichkeiten „ein entsprechend liebevoller und fürsorglicher Kindesvater“ gewesen, sagte der Rechtsanwalt. Sein Mandant wollte dem Baby ein Fläschchen gegeben, das habe aber nicht funktioniert.

Weil vereinbart gewesen sei, dass er bei Problemen die Kindesmutter aufsuchen kann, habe er sich auf den Weg zu ihr gemacht. Dabei habe er bemerkt, „dass die Körperspannung des Babys nachlässt und ist in Panik verfallen“. Der Beschuldigte habe das Kind „geschüttelt, um es aufzuwecken“. Einen Vorsatz, den Säugling zu verletzen, habe der junge Mann „nicht einmal ansatzweise gehabt“. „Gestraft ist er genug, er hat als junger Vater seinen Sohn verloren“, meinte der Verteidiger. Sein Mandant gebe sich moralisch die Schuld, aber „Moral und Recht sind zwei verschiedene Dinge“, sagte Blaschitz.

Die Kindesmutter sei „schwerst traumatisiert“ und nicht in der Lage, über den Tod ihres Babys zu sprechen, sagte die Privatbeteiligten-Vertreterin. Sie machte für die Frau 20.000 Euro an Schmerzengeld geltend.




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