Letztes Update am Do, 06.06.2019 12:10

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Land Burgenland kauft Synagoge Kobersdorf



Das Land Burgenland kauft die Synagoge Kobersdorf und beabsichtigt eine Generalsanierung des unter Denkmalschutz stehenden historischen Gebäudes. Das teilte Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) am Donnerstag mit und bestätigte damit Medienberichte.

Geplant sei, die Synagoge als Veranstaltungsstätte zu adaptieren. Sie soll in weiterer Folge Raum für Ausstellungen, Konzerte, Symposien und vor allem für eine lebendige Auseinandersetzung mit dem jüdischen Erbe des Burgenlandes bieten, so Doskozil.

Die Kobersdorfer Synagoge wurde am 11. April 1860 eingeweiht und ist eines der wenigen erhaltenen Zeugnisse jüdischen Lebens im Burgenland. Das Gebäude stehe auch sinnbildlich für das Schicksal der jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger - insbesondere in der Zeit des Nationalsozialismus - und solle in Zukunft gleichermaßen Veranstaltungsstätte wie Mahnmal sein. „Uns ist das kulturelle und vor allem das jüdische Erbe im Burgenland ein besonderes Anliegen“, stellte Doskozil fest.

Mit dem Erwerb leiste man einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt eines wirklich wichtigen und bedeutenden historischen Gebäudes, so der Landeshauptmann. Die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) Wien als zuständige Kultusgemeinde auch für das Burgenland begrüße den auf Initiative des Landeshauptmannes erfolgten Kauf des Gebäudes, so IKG-Präsident Oskar Deutsch.

Es sei dies das einzige noch existierenden frei stehende Synagogengebäude der „Sieben Jüdischen Gemeinden“ des Burgenlandes. „Es wird damit nicht nur ein wichtiger Beitrag zur Erinnerungskultur geleistet, sondern gerade in Zeiten eines steigenden Antisemitismus auch durch die geplante kulturelle Verwendung das wichtige und richtige Zeichen gesetzt“, so Deutsch.

In den nächsten Wochen soll mit Erstmaßnahmen sowohl am Grundstück als auch am historischen Gebäude begonnen werden. Anschließend soll ein Sanierungskonzept erarbeitet und die Synagoge generalsaniert werden. Ziel der Restaurierung ist laut Doskozil die Erhaltung der historischen Bausubstanz, verbunden mit konservatorischen Maßnahmen an den originalen Mauern. Geplant sind weiters eine Sanierung des Daches sowie die statische Sicherung und die Durchführung notwendiger Wiederherstellungsmaßnahmen im Innen- und Außenbereich.

Es werde beabsichtigt, das Gebäude so weit wie möglich in den ursprünglichen Zustand zu versetzen. Die Synagoge von Kobersdorf solle ein sichtbares Zeichen dafür sein, dass das Land Burgenland sich seiner jüdischen Wurzeln, seiner jüdischen Traditionen und seiner Verantwortung für die jüdischen Opfer aus der Zeit des NS-Terrors bewusst sei, so Doskozil. Die Restaurierung werde mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Die baulichen Maßnahmen werden von der zur Landesholding Burgenland gehörenden BELIG (Beteiligungs- und Liegenschafts GmbH) durchgeführt.

Bereits während der Schlossspiele Kobersdorf sollen Interessierte einen ersten Blick auf die Synagoge werfen können. Zumindest der Außenbereich des Gebäudes werde ab 3. Juli eine Stunde vor Vorstellungsbeginn für Besucher der Schlossspiele zugänglich gemacht, hieß es.




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