Letztes Update am Do, 06.06.2019 14:27

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


ÖFB-Spiel gegen Slowenien in EM-Quali mit „Final-Charakter“



Österreichs Fußball-Nationalteam steht schon in der dritten Runde der EM-Qualifikation gehörig unter Zugzwang. Nach den beiden Auftakt-Niederlagen im März benötigt die ÖFB-Auswahl am Freitag (20.45 Uhr/live ORF 1) im Klagenfurter Wörthersee-Stadion gegen Slowenien dringend einen Sieg, um die seriöse Chance auf eine Teilnahme an der EURO 2020 zu wahren.

Teamchef Franco Foda ist sich der brisanten Ausgangsposition bewusst. „Jeder weiß, worum es geht. Das Spiel hat einen gewissen Final-Charakter, es geht für beide um sehr viel“, erklärte der Deutsche und wies darauf hin, dass der Start der Slowenen mit zwei Punkten aus zwei Partien ebenfalls nicht zufriedenstellend verlaufen war.

Doch nicht nur für die ÖFB-Auswahl, auch für ihren Coach steht viel auf dem Spiel: Bei einer Niederlage könnte nämlich Fodas Job wackeln. „Aber mit solchen Szenarien habe ich mich in meinem ganzen Leben nicht beschäftigt, weil ich von meiner Arbeit überzeugt bin und auch davon überzeugt bin, dass wir ein gutes Spiel an den Tag legen werden und ich auch nach dem morgigen Match mit meinen Spielern zusammenarbeiten werde“, betonte Foda.

Diesbezüglich stimmten den 53-Jährigen die Eindrücke der vergangenen Tage optimistisch. „Die Mannschaft hat sehr aufmerksam und konzentriert im Training gearbeitet. Ich bin sehr positiv angetan von jedem einzelnen Spieler, alle ziehen gut mit.“ Erfolgsgarantie sei das jedoch keine. „Entscheidend ist, was wir auf den Platz bringen“, sagte Foda.

Gegen den Weltranglisten-63. - Österreich ist 34. - fordert der Teamchef höchste Konzentration. „Wir müssen unser Spiel durchziehen, mit viel Tempo und Dynamik nach vorne agieren und hinten kompakt stehen“, gab Foda als Marschroute vor. „Und wir müssen selbstbewusst auftreten und von unserem Spiel überzeugt sein.“

Vor den Slowenen zeigte der frühere Sturm-Graz-Meistermacher Respekt. „Sie haben mit Ilicic, Verbic und Sporar in der Offensive viel Qualität, sind hinten kompakt und gut im Umschaltspiel. Aber letztlich geht es darum, wie wir agieren.“ Das 3:0 im Testspiel im März 2018 in Klagenfurt gegen Slowenien hat laut Foda für Freitag keine wirkliche Aussagekraft. „Sie haben jetzt neue Spieler, einen anderen Trainer und spielen ein anderes System.“

Am eigenen System arbeiteten die ÖFB-Kicker in Klagenfurt seit Sonntag - dabei wäre dafür aufgrund des Saisonendes auf Club-Ebene durchaus länger Zeit gewesen, wie zuletzt Aleksandar Dragovic anmerkte. „Aber es macht keinen Sinn, einen Tag vor dem Spiel darüber zu diskutieren. Es war genügend Zeit zur Vorbereitung“, betonte Foda.

Außerdem hätten seine Schützlinge die Zeit bis zum Beginn des Lehrgangs gut genützt. „Jeder Spieler hat einen individuellen Trainingsplan bekommen, und was ich in den letzten Tagen gesehen habe, hat ihn jeder wohl erfüllt“, meinte der Teamchef.

Die nach den jüngsten Niederlagen entstandenen Spekulationen über angeblich mangelhafte Hierarchien innerhalb des ÖFB-Teams wollte Foda nicht überbewerten. „Die Mannschaft hat sich aufgrund von Rücktritten verändert, da benötigt es Zeit, bis sich neue Hierarchien bilden. Ich habe mich an diesen Diskussionen eher wenig beteiligt. Im Prinzip ist es das gleiche Team wie letztes Jahr in den Testspielen, und da hat man auch Führungspersönlichkeiten auf dem Platz gesehen. Außerdem muss jeder Verantwortung übernehmen, es gibt genügend erfahrene Spieler“, erklärte Foda.

Auch Kapitän Julian Baumgartlinger weiß, dass alles andere als ein Sieg gegen Slowenien die Chancen auf eine EM-Teilnahme auf ein Minium sinken lassen. „Wir müssen gewinnen“, sagte der Leverkusen-Legionär. Mit der Drucksituation hat der Salzburger kein Problem. „Das ist keine unbekannte Konstellation, wir kennen sie schon aus vergangenen Qualifikationen. Es gehört zu unserem Job, damit umzugehen, egal ob im Nationalteam oder im Verein.“ Allerdings gab Baumgartlinger zu: „Die Spannung ist schon höher.“

An der Atmosphäre innerhalb der Mannschaft sollte dieses Vorhaben nicht scheitern. „Die Stimmung ist gut. Wir hatten eine knackige Vorbereitungszeit und haben intensiv trainiert. Jeder weiß, was zu tun ist.“ Dass man keinen längeren Lehrgang abhielt, ist für Baumgartlinger derzeit kein Thema. „Am Tag des Abschlusstrainings lohnt es sich nicht, groß darüber nachzudenken. Wir haben gut und effizient trainiert.“

Abseits des Platzes ging es in den vergangenen Tagen auch um die Aufarbeitung des 2:4 im März in Israel. „Wir müssen das analysieren und die Lehren daraus ziehen. Wir wissen, was wir in Zukunft besser machen müssen“, erklärte Baumgartlinger. Bessere Erinnerungen als an das Match in Haifa hat der Mittelfeldspieler an das 3:0 gegen Slowenien im Testspiel in Klagenfurt im März 2018. „Es bringt uns momentan nichts, dass wir damals eine gute Partie abgeliefert haben. Aber wir sollten ähnlich wie damals ins Spiel gehen“, meinte Baumgartlinger.




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