Letztes Update am Do, 06.06.2019 15:30

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Macron an Trump: „Allianz der freien Völker am Leben halten“



Am 75. Jahrestag der Landung der Alliierten in der Normandie hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron die USA aufgerufen, dem Geist des „D-Day“ gerecht zu werden. „Wir dürfen niemals aufhören, die Allianz der freien Völker am Leben zu halten“, sagte Macron am Donnerstag im Beisein von US-Präsident Donald Trump auf dem US-Soldatenfriedhof Colleville-sur-Mer

Trump erwiderte: „Unsere Verbindung ist unverwüstlich.“ Macron sagte in seiner Rede, die als Mahnung an Trump verstanden wurde: „Wir müssen den Kern des Versprechens der Normandie wiederfinden.“ Auch 75 Jahre nach dem Kampf gegen Hitler-Deutschland gehe es um ein Bündnis „der Länder, die die gleichen Werte teilen: die der Demokratie und der Freiheit“. Als beispielhaft nannte Macron Institutionen wie die EU und die UNO, die Trump regelmäßig kritisiert.

Macron beschwor beim Gedenken an den D-Day die Verbundenheit seines Landes mit den USA. „Es lebe die Freundschaft zwischen unseren beiden Nationen“, rief der 41-Jährige. Er erinnerte in einer emotionalen Rede an die Opfer Zehntausender Soldaten, die am 6. Juni 1944 in der Normandie an Land gegangenen waren. Die gebe eine Erbschaft die Friedens, die bewahrt werden müsse.

Trump betonte dagegen die „unverwüstliche“ Einigkeit der Verbündeten. Sie sei „in der Hitze des Kampfes geschmiedet, in den Prüfungen des Kriegs getestet und mit den Segnungen des Friedens bewiesen“ worden, betonte er. Das Verhältnis zwischen den USA und der EU ist unter anderem wegen Trumps Unterstützung für den Brexit und seiner Drohung mit Handelssanktionen angespannt.

„Tausende haben ihr Leben geopfert - für ihre Brüder, für ihre Länder und für das Überleben der Freiheit“, sagte Trump am Donnerstag bei der Gedenkveranstaltung. „Sie haben diesen Boden für die Zivilisation zurückgewonnen.“ Die Soldaten damals hätten nicht nur eine Schlacht oder einen Krieg gewonnen, sondern das Überleben der Zivilisation gesichert. „Sie haben unsere Lebensweise für viele Jahrhunderte verteidigt.“

Im Mittelpunkt der Zeremonie standen die Veteranen: Trump und Macron dankten rund 160 früheren Soldaten für ihren Mut im Kampf gegen die Nazis. Trump und Macron schüttelten zahlreichen der hoch betagten Männer die Hände, die zum Teil in Rollstühlen an der Zeremonie teilnahmen, und applaudierten ihnen.

Trump nannte die US-Veteranen „den Stolz unseres Landes“. Er rief den früheren Soldaten zu: „Ihr gehört zu den Größten, die jemals gelebt haben.“ Macron betonte, Frankreich werde nie vergessen, wem es seine Freiheit verdanke. „Ich sage Danke“, sagte er an die Veteranen gerichtet. Der französische Präsident nahm anschließend fünf Soldaten in die Ehrenlegion auf.

Zu der Zeremonie auf dem US-Soldatenfriedhof oberhalb des Landungsstrandes Omaha Beach waren fast 12.000 internationale Gäste eingeladen. Dort liegen fast 9.400 US-Soldaten begraben. Die Stätte oberhalb der Felsen wird durch tausende weiße Kreuze und Davidsterne auf grünem Rasen geprägt.

Zuvor hatten Macron und die britische Premierministerin Theresa May am Donnerstag in der Gemeinde Ver-sur-Mer den Grundstein für ein Denkmal gelegt, das an das Schicksal britischer Soldaten erinnern soll.

Es sei unglaublich bewegend, an diesem Ort zu sein, sagte die scheidende Regierungschefin May. „Hier in der Normandie erinnern wir uns für immer an ihren Mut, ihr Engagement und ihre Entschlossenheit“, sagte sie über die Soldaten. Es sei unmöglich zu begreifen, welchen Mut diese damals aufgebracht haben.

Der britische Thronfolger Prinz Charles und seine Ehefrau Camilla gedachten bei einem Gottesdienst in der Normandie der Landung der alliierten Truppen im Zweiten Weltkrieg. Prinz Charles und Camilla kamen am Donnerstag gemeinsam in die Kathedrale von Bayeux. Das Bauwerk ist eines der bedeutendsten Gotteshäuser in der Normandie. Auch May und der Chef der britischen Labour-Partei, Jeremy Corbyn, nahmen an dem Gottesdienst teil.

Trump, Macron, May, die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und andere Staats- und Regierungschefs hatten bereits am Mittwoch an einer D-Day-Zeremonie in der südenglischen Hafenstadt Portsmouth teilgenommen. Von dort aus waren damals Zehntausende Soldaten in Richtung Frankreich aufgebrochen.

Die Alliierten waren am 6. Juni 1944 mit mehr als 150.000 Soldaten in der Normandie gelandet. Die Offensive trug maßgeblich zur Niederlage Nazi-Deutschlands im Zweiten Weltkrieg bei.




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