Letztes Update am Do, 06.06.2019 18:49

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Afrikanische Union suspendiert den Sudan



Nach dem gewaltsamen Vorgehen des Militärrats gegen Demonstranten im Sudan ist der Staat mit sofortiger Wirkung aus der Afrikanischen Union (AU) ausgeschlossen worden. Bis eine zivile Übergangsregierung eingesetzt werde, ruhe die Mitgliedschaft, teilte die AU am Donnerstag via Twitter mit. Nur mit einem zivilen Gremium könne der Sudan „einen Weg aus der gegenwärtigen Krise finden“.

Die Opposition bekräftige indes ihren Aufruf zu Protesten und zivilem Ungehorsam. Die Revolution sei dem Frieden verpflichtet, hieß es.

Der Militärrat hatte am Montag in der sudanesischen Hauptstadt Khartum gewaltsam Blockaden von tausenden Demonstranten räumen lassen. Die Demonstranten hatten dort seit rund zwei Monaten eine zivile Regierung für das nordostafrikanische Land gefordert. Nach Angaben des oppositionsnahen Zentralkomitees sudanesischer Ärzte kamen dabei mehr als hundert Menschen ums Leben, 500 wurden demnach verletzt.

Seit Montag seien 61 Menschen getötet worden, räumte das Gesundheitsministerium am Donnerstag ein. Zuvor hatte das Ministerium noch versichert, es habe „nicht mehr als 46“ Tote gegeben. Bewohner von Khartum beschrieben ein Klima der „Angst“ in der Hauptstadt.

Das oppositionsnahe Zentralkomitee sudanesischer Ärzte erklärte, seit Montag seien mehr als hundert Menschen getötet worden. Unter den inzwischen 108 Toten seien 40 Leichen, die im Nil entdeckt worden seien. Mehr als 500 Menschen wurden demnach verletzt. Das Komitee warnte, die Opferzahl könne noch steigen.

Das Gesundheitsministerium erklärte am Mittwochabend laut staatlicher Nachrichtenagentur SUNA zunächst, es habe „nicht mehr als 46“ Tote gegeben. Am Donnerstag sprach das Ministerium dann von 61 Toten seit Montag, darunter rund 50 erschossene Zivilisten.

Der herrschende Militärrat hatte am Montag in Khartum Blockaden von tausenden Demonstranten rund um das Armee-Hauptquartier gewaltsam räumen lassen. Die Demonstranten hatten dort seit rund zwei Monaten eine zivile Regierung für das nordostafrikanische Land gefordert.

Die Protestbewegung machte „Milizen“ des Militärs für die Toten verantwortlich und sprach von einem „Massaker“. Die regierenden Generäle sprachen von schiefgelaufenen „Aufräumarbeiten“.

Nach der blutigen Beendigung der Demonstrationen brachen sowohl der regierende Militärrat als auch die Opposition die Gespräche über eine Übergangsregierung ab. Ein neuerliches Gesprächsangebot des Chefs des Militärrats, General Abdel Fattah al-Burhan, lehnte die Protestbewegung ab.

Der Militärrat hatte nach dem Sturz des langjährigen Staatschefs Omar al-Bashir infolge von monatelangen Massenprotesten im April die Führung übernommen. Mit diesem einigte sich die Protestbewegung Mitte Mai grundsätzlich darauf, dass ein gemeinsamer Übergangsrat die Geschicke des Landes in den kommenden drei Jahren lenken soll. Seither herrschte aber Streit darüber, welche Seite dieses Gremium führen soll.




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