Letztes Update am Fr, 07.06.2019 09:32

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


US-Präsident Trump wetterte gegen Pelosi



US-Präsident Donald Trump ist im Streit um ein mögliches Amtsenthebungsverfahren gegen ihn heftig über die Frontfrau der oppositionellen Demokraten, Nancy Pelosi, hergezogen. „Ich denke, sie ist eine Zumutung“, sagte Trump am Donnerstag (Ortszeit) über Pelosi im US-Kongress. Er habe versucht, nett zu ihr zu sein, aber sie sei eine „widerliche, rachsüchtige, furchtbare Person“.

Trump echauffierte sich insbesondere über eine angebliche Äußerung Pelosis, wonach sie ihn hinter Gittern sehen wolle. „Das war eine fiese, widerliche, bösartige Bemerkung, während ich im Ausland bin“, sagte Trump in einem Interview des Senders Fox News am Rande der Gedenkfeierlichkeiten zur Landung der Alliierten vor 75 Jahren in der Normandie.

Das Nachrichtenportal Politico hatte zuerst über die angeblichen Äußerungen Pelosis bei einem Treffen mit hochrangigen Demokraten am Dienstagabend berichtet. Dabei wird Pelosi mit den Worten zitiert: „Ich will nicht, dass er (Trump) seines Amtes enthoben wird. Ich will ihn im Gefängnis sehen.“ Eine Sprecherin Pelosis, Ashley Etienne, sagte laut Sender CNN, sie könne die Aussage nicht bestätigen.

Als Vorsitzende des Abgeordnetenhauses im US-Kongress steht Pelosi nach dem Präsidenten und Vizepräsidenten an dritter Stelle. Die 79-Jährige sitzt seit mehr als drei Jahrzehnten im Abgeordnetenhaus. Trump sprach ihr in dem Interview Talent ab und warf ihr vor, sie sei nicht in der Lage Deals abzuschließen. Er habe auch einen Spitznamen für sie: „nervöse Nancy“, weil sie einem Nervenwrack gleiche. Die Beziehung zwischen Trump und Pelosi gilt seit Langem als angespannt.

Im Kern geht es derzeit um mögliche Folgen aus dem Abschlussbericht des Sonderermittlers Robert Mueller, der seit Mai 2017 untersucht hatte, ob Trumps Wahlkampfteam geheime Absprachen mit Vertretern Russlands traf und ob Trump die Justizermittlungen behinderte. Nach einem öffentlichen Auftritt Muellers Ende Mai, bei dem er Trump ausdrücklich nicht vom Vorwurf der Justizbehinderung freigesprochen hatte, ist unter den Demokraten die Debatte über ein mögliches Amtsenthebungsverfahren gegen Trump neu entbrannt.

Unterdessen riefen die oppositionellen US-Demokraten Trump auf, auf eine geplante Rede am Nationalfeiertag am 4. Juli zu verzichten. Drei demokratische Abgeordnete erklärten am Donnerstag, die Veranstaltungen am 4. Juli auf der Promenade National Mall in Washington seien über Jahrzehnte unpolitisch und nicht parteipolitisch geprägt gewesen. Eine Rede Trumps auf der National Mall würde den Anschein einer im Fernsehen übertragenen und mit öffentlichen Mitteln finanzierten Wahlkampfveranstaltung erwecken.

Trump hatte im Februar für den Nationalfeiertag eine Veranstaltung mit dem Titel „A Salute to Amerika“ (etwa: Ehrenbezeugung für Amerika) am Lincoln Memorial am westlichen Ende der National Mall angekündigt. Es werde „eine der größten Zusammenkünfte in der Geschichte von Washington“ mit Feuerwerk, Unterhaltung und „einer Rede von eurem Lieblingspräsidenten, mir!“

Ursprünglich hatte sich Trump eine große Militärparade gewünscht. Der Präsident hatte am 14. Juli 2017 auf den Pariser Champs-Elysées der traditionellen Militärparade zum französischen Nationalfeiertag beigewohnt und sich beeindruckt von der pompösen Schau gezeigt. Später sagte er, die USA könnten „so etwas am 4. Juli in Washington“ machen. Das Vorhaben wurde dann aber aus Kostengründen gestrichen

Das Lincoln Memorial im Herzen von Washington, in dem Trump jetzt die Feier zum 4. Juli abhalten will, hat eine sehr starke Symbolkraft. Hier hielt der Bürgerrechtler Martin Luther King Jr. am 28. August 1963 vor geschätzten 250.000 Menschen seine historische Rede „I Have a Dream“ (Ich habe einen Traum).




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