Letztes Update am Fr, 07.06.2019 11:33

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kay Voges wird neuer Volkstheaterdirektor



Kay Voges, seit 2010 Intendant des Schauspiel Dortmund, wird neuer Direktor des Wiener Volkstheaters. Das gaben Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) und die Vorständin der Volkstheater Privatstiftung Judit Havasi am Freitagvormittag bekannt.

Der 47-jährige Theatermann kündigte in ersten programmatischen Überlegungen ein „niederschwelliges Theater“ und eine „Factory für Theaterkunst in ästhetischer und politischer Auseinandersetzung mit der Gegenwart“ an. „Das Zentrum des Hauses wird ein Ensemble sein. Ich möchte gern das Ensemble vergrößern.“ Daneben soll auch der Bereich Performing Arts und der Bereich Musik eine wichtige Rolle spielen. „Die Digitalisierung wird für mich eine wichtige Rolle spielen.“

„Ich bin ein bisschen aufgeregt“, bekannte Voges. „Es ist schon etwas Besonderes, in eine so theaterverrückte Stadt berufen zu werden für ein riesengroßes, wunderschönes Theater.“ Er lobte die faszinierende Theatertradition der Stadt und des Hauses. „Dass ich Intendant vom VOLKStheater werden darf - Theater für das Volk - , kommt meiner Idee von Theater entgegen.“

Kay Voges, der einen Fünf-Jahres-Vertrag erhalten wird, kündigte an, dass Mirjam Beck, seine bisherige Stellvertreterin in Dortmund, ebenso in sein Wiener Leitungsteam kommen werde wie der New Yorker Komponist Paul Wallfisch, der derzeit die gemeinsame Produktion „Dies irae“ am Burgtheater vorbereite. Wallfisch wird musikalischer Leiter am Haus, unter dessen Dach alle Künste vereint werden sollten - inklusive Musik, bildende Kunst, Fotografie, Aktionskunst und Street Art. Theater sei „ein Ort der Verzauberung, des Austauschs und des Nachdenkens“, ein „Brennpunkt des ästhetischen Diskurses, der kulturellen und politischen Bildung“.

Er strebe eine enge Verknüpfung mit der Wiener Stadtbevölkerung, aber auch internationale Strahlkraft an. „Für mich als Piefke gibt es hier viel zu lernen - auch, wie Wien und Österreich funktionieren.“ Der neue Direktor strebt ein gemischtes Ensemble als alten und neuen Kräften an und outetet sich als „großer Verehrer von Elfriede Jelinek“ und Fan von Werner Schwab und des „lustvollen Theaters österreichischer Autorinnen und Autoren“. Einen kurzen Versprecher, in dem er das Volkstheater versehentlich Volksbühne nannte, korrigierte er sogleich, in dem er betonte, das Volkstheater „im Geiste der Volksbühne entwickeln“ zu wollen.

Voges kündigte „ein Volkstheater für die digitale Moderne“ an. Die Ausstattung dafür sei allerdings „noch nicht auf der Höhe der Zeit. Über Geld muss in den nächsten Monaten weiter geredet werden.“ Vorerst sicherte die Kulturstadträtin jedoch zu den bisherigen 12,4 Mio. Euro Subvention weitere zwei Millionen jährlich zu. „Die Suche nach der dritten Million gebe ich aber nicht auf. Es ist aber im Moment schwierig, ein Gegenüber dafür zu finden.“ Kulturminister Gernot Blümel (ÖVP) hatte eine Subventionsaufstockung des Bundes ausgeschlossen, mit dem derzeit zuständigen Außenminister Alexander Schallenberg stünden „Erstkontakte“ noch aus.

Die Stadträtin kündigte jedoch an, dass die erste Saison der neuen Direktion aufgrund der im Jänner 2020 startenden und plangemäß bis Oktober dauernden Umbauarbeitenden wohl eine „Spielzeit under construction“ werde und mutmaßlich erst im Jänner 2021 starten werde. Erst 2021/22 werde die erste volle Spielzeit der neuen Direktion.

Er sei erst vor zweieinhalb Wochen kontaktiert worden und habe daher noch keine ausgefeilten Konzepte für das Volkstheater, gab der künftige Direktor zu, ließ sich allerdings doch ein wenig Konkretes entlocken: „Das Theater in den Außenbezirken muss weitergehen. Dafür muss eine neue Idee her. Mir ist wichtig, dass es keine Zweiklassengesellschaft wird. Inhaltlich wird es politischer werden in den Außenbezirken, aber auch sinnlicher und lustvoller.“ Für das Volx/Margareten werde es ein Konzept geben. Er denke etwa an einen Ort zum Ausprobieren neuer, junger Regiehandschriften. „Ich überlege, ob wir nicht ein Regiestudio eröffnen können.“ Über die von ihm gegründete Akademie für Theater und Digitalität „werden wir Werke direkt aus den Forschungslaboren auf die Bühne holen“.

Er sei erst einmal im Volkstheater gewesen, gab Voges zu. „Das geht natürlich gar nicht. Heute Abend wird es das zweite Mal. Ich muss Fachmann werden, und das möglichst schnell. Ich muss die Struktur des Hauses verstehen.“ Es werde zwar „ein Leitbild“ seiner Arbeit geben - „aber nicht als Dogma, sondern eher mit einem suchenden, forschenden Duktus“. Auch für seine Direktion kündigte er einen permanenten Lern- und Kommunikationsprozess an. „Wie müssen klar und deutlich die Türen aufreißen. Wir sind keine geschlossene Gruppe im Elfenbeinturm. In den ersten zwei Spielzeiten wird es auch permanente Einführungen und Nachgespräche geben, damit Ensemble und Zuschauer zusammenkommen.“

Kaup-Hasler gestand ein, als Theaterfachfrau die Arbeit von Kay Voges in Dortmund bisher nicht im Fokus gehabt zu haben, zeigte sich aber von einer kürzlich nachgeholten Bernhard-Inszenierung („Der Theatermacher“) begeistert und sprach von rund 80-prozentiger Auslastung des Hauses. Voges habe Dortmund, das sonst nur wegen seines Fußballs bekannt sei, auf der kulturellen Landkarte positioniert.

Für die Volkstheater Privatstiftung kündigte Kaup-Hasler Veränderungen an, zu denen es in Bälde eine Pressekonferenz geben werde. „Ich habe sehr gute Gespräche mit dem Stiftungsvorstand und dem ÖGB.“




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