Letztes Update am Fr, 07.06.2019 12:27

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Niederländer wollen nun auch Ronaldos Portugal bändigen



Die aufstrebenden Niederländer wollen im Final Four der Nations League nun auch Cristiano Ronaldos Portugiesen biegen. Mit einem 3:1 n.V. gegen WM-Halbfinalist England untermauerte das Team von Ronald Koeman einmal mehr, dass mit Oranje zu rechnen ist. Am Sonntag (20.45 Uhr) warten in Porto die Gastgeber um ihren Rekordtorjäger. Ronaldo sah gegen Niederländer heuer schon einmal schlecht aus.

Holte Portugal 2016 die EM-Trophäe, warten die Niederlande seit dem Gewinn der Europameisterschaft 1988 auf einen internationalen Titel. Die EM und WM sahen die stolzen Holländer zuletzt nur vor dem TV-Schirm. Nun ist alles anders. Nach Weltmeister Frankreich und Deutschland in der Gruppenphase der Nations League konnten auch die Engländer den Elan der Koeman-Truppe nicht bremsen.

Den Treffern zum 1:2 und 1:3 gingen zwar kapitale Eigenfehler der Briten voraus, unverdient war der Finaleinzug der Niederländer jedoch nicht. Ajax-Jungstar Matthijs de Ligt ermöglichte England mit einem Fauxpas zwar die Führung vom Elferpunkt durch Marcus Rashford (32.), der Innenverteidiger besserte dies aber mit dem Ausgleich per Kopf (73.) selbst aus. „Es ist eine Schande, dass ein solcher Moment meine Leistung ein wenig beeinträchtigt. Das musste ich wieder gutmachen“, sagte der 19-Jährige nach dem in Guimaraes ausgetragenen Halbfinale.

Dem Duell mit Ronaldo darf der angeblich von Barcelona und Paris Saint-Germain umworbene Teenager mit guten Erinnerungen entgegenblicken. Mit Ajax warf De Ligt im Viertelfinale der Champions League Juventus Turin aus dem Bewerb. Sehr zum Ärger von Ronaldo. Dass der 34-jährige Stürmerstar nun besonders motiviert sei, war für Frenkie de Jong kein Thema. „Ich glaube nicht, dass er an Rache denkt“, sagte der im Sommer von Ajax zu Barcelona wechselnde Mittelfeldstratege.

Der als „Man of the Match“ ausgezeichnete De Jong (22) wurde in höchsten Tönen gelobt. Der englische „Guardian“ schrieb: „Einige Fußballer laufen wie Vollblüter. Einige wie Zugpferde. De Jong ist wie ein fußballerisches Einhorn, mit magischem Staub, Regenbogen und Füßen, die kaum einen Abdruck hinterlassen. Der „Daily Mirror“ meinte: „De Jong zeigt Englands Fußball, was noch fehlt.“

Für England ging auch das vierte Halbfinale bei einem wichtigen Turnier in Folge verloren. Bei den WM-Endrunden 1990 und 2018 sowie der EM 1996 waren die „Three Lions“ ebenfalls in der Vorschlussrunde unterlegen. Als Trostpflaster bleibt nun am Samstag nur das Spiel um Platz drei gegen die Schweiz.

Manager Gareth Southgate sah in erster Linie Müdigkeit und eine fehlende Matchschärfe als Gründe für die Niederlage. Die aufgrund der zwei Gegentreffer in der Verlängerung aufgebrandete Kritik, seine Spieler hätten zu großes Risiko im Spielaufbau eingegangen, prallte ab. „Wir haben nicht verloren, weil wir so spielen wollen. Wenn wir es nicht täten, wären wir nicht hier“, betonte Southgate. Sein junges Team habe wieder viel gelernt. „Die Leute sind enttäuscht, aber wir müssen das große Bild im Auge haben“, monierte Southgate.

Die Niederländer ließen ihrerseits klar durchklingen, dass ihre Ambitionen, die Nations League zu gewinnen, groß sind. Dass der Bewerb weniger ruhmreich wie eine WM oder EM ist, ist für Kapitän Virgil van Dijk unbedeutend. „Jeder kann es sehen, wie er mag. Aber es gibt einen Pokal zu gewinnen“, sagte der Verteidiger von Champions-League-Sieger Liverpool. Bondscoach Koeman sah seine Mannschaft auf einem guten Weg, künftig Großes zu erreichen. „Wir werden nicht stoppen. Es gibt immer etwas zu verbessern, aber unser Weg stimmt“, betonte der 56-Jährige. „Wir haben Deutschland, Frankreich und jetzt die Nummer vier der Welt geschlagen. Das spiegelt unsere Entwicklung wider.“




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