Letztes Update am Fr, 07.06.2019 12:33

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Salzburger Pfingstfestspiele 2020 auf Spuren Viardots



Die Sängerin, Pianistin und Komponistin Pauline Viardot-Garcia (1821-1910) wird im Mittelpunkt der Salzburger Pfingstfestspiele 2020 stehen. Zentrale Oper des Kurzfestivals wird Gaetano Donizettis „Don Pasquale“ sein, bei der Intendantin Cecilia Bartoli in die Rolle der „Norina“ schlüpft, und damit zugleich in die Fußstapfen Viardots, die die Partie Mitte des 19. Jahrhunderts verkörpert hat.

Wenige Stunden vor Beginn des diesjährigen Festivals haben die Festspiele am Freitag das Programm für Pfingsten 2020 veröffentlicht. Bartoli kündigte an, ihr Debüt in „Don Pasquale“ in einer Version Viardots aus einer Aufführungsserie 1845 in St. Petersburg zu singen. In Szene gesetzt wird die Oper von Moshe Leiser und Patrice Caurier, die bereits im Vorjahr Rossinis „L‘Italiana in Algeri“ zu Pfingsten in Salzburg inszeniert hatten. Die musikalische Leitung wird - wie heute Abend bei Händels „Alcina“ - Gianluca Capuano übernehmen, musizieren wird selbstverständlich wieder das von der Intendantin gegründete Orchester Les Musiciens du Prince - Monaco, singen wird der Philharmonia Chor Wien. Neben Bartoli stehen Peter Kalman als „Don Pasquale“, Nicola Alaimo als „Dottor Malatesta“ und Javier Camarena als „Ernesto“ auf der Bühne.

Die Opera buffa bildet auch schon ein Puzzleteil des 100-Jahr-Jubiläums der Salzburger Festspiele im kommenden Jahr, war sie doch 1925 die erste Oper in der Festival-Geschichte, die nicht von Wolfgang Amadeus Mozart stammt. „Don Pasquale“ stand im Lauf der Zeit an der Salzach schon sechs Mal im Festspielprogramm.

Übertitelt werden die Pfingstfestspiele 2020 mit „La couleur du temps - Die Farbe der Zeit“. Bartoli geht es dabei um den Wandel im 19. Jahrhundert weg von den Männern und Kastraten als herausragende Künstlerpersönlichkeiten hin zu den Diven und Primadonnen, die zu Musen für aufstrebende Komponisten wurden und somit Einfluss darauf nahmen, was in die Partituren gelangte.

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„Orphee“ von Hector Berlioz verkörperte Pauline Viardot in Frankreich 138 Mal. Im kommenden Jahr in Salzburg wird Marianne Crebassa die Partie übernehmen. Mit ihr stehen Andriana Chuchman als „Eurydice“ und Marie-Sophie Pollak als „L‘Amour“ auf der Bühne. Der Intendant und Chefchoreograf des Hamburg Ballett, John Neumeier, überträgt in seiner Bühnenversion die mythologische Handlung in die Ballettwelt der Gegenwart: Zusätzlich zu den Sängern bei dieser Ballettoper sind zwei Tänzer auf der Bühne: Edvin Revazov als „Orphee“ und Anna Laudere als „Eurydice“. Gianluca Capuano dirigiert die Camerata Salzburg und den Bachchor Salzburg.

Das Arienkonzert „Ecole classique“ stellt eine Hommage an Pauline Viardot dar, bei der Arien und Orchesterwerke von Rossini, Meyerbeer, Gounod und Händel zu hören sein werden. Gianluca Capuano leitet Les Musiciens du Prince - Monaco, Mezzosopranistin Varduhi Abrahamyan singt und Bartoli ist als Special guest zu erleben. Klaren Bezug zu Viardot gibt es auch bei einem Geistlichen Konzert mit John Eliot Gardiner, dem Orchestre Revolutionnaire et Romantique, dem Monteverdi Choir & Soloists: Gabriel Faure, dessen Requiem aufgeführt wird, war mit Marianne, der Tochter von Pauline Viardot, liiert. Und für Johannes Brahms‘ „Rhapsodie“ kehrte Viardot 1869 auf ausdrücklichen Wunsch des Komponisten noch einmal auf die Bühne zurück, von der sie sich damals schon verabschiedet hatte.

Noch einmal zu hören sein wird auch die Festivalchefin selbst, und zwar bei dem Festkonzert „Une affaire de famille“. Im Wechsel von Vokal- und Instrumentalwerken, Symphoniesätzen und Arien sowie einer Balletteinlage soll dabei die ganze Garcia-Dynastie gewürdigt werden. Neben Bartoli werden Varduhi Abrahamyan, Javier Camarena und andere singen, Maxim Vengerov leitet das Orchestra del Teatro di San Carlo von der Violine aus. Am Klavier spielt Khatia Buniatishvili, am Violoncello Julia Hagen.




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