Letztes Update am So, 09.06.2019 15:06

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Sudanesische Polizei setzt Tränengas gegen Demonstranten ein



Die sudanesische Polizei hat am ersten Tag des landesweiten „zivilen Ungehorsams“ Tränengas gegen die Demonstranten eingesetzt. Anhänger der Protestbewegung hatten zuvor damit begonnen, den nördlichen Bezirk Bahari der Hauptstadt Khartum mit Autoreifen, Baumstämmen und Steinen zu blockieren. Sie folgten damit einem Aufruf des sudanesischen Gewerkschaftsbündnisses SPA.

Die SPA hatte als Reaktion auf die brutale Niederschlagung eines Sitzstreiks durch die Armee zu einer „Bewegung des zivilen Ungehorsams“ aufgerufen. Sie sprach von einem „friedlichen Akt“, um die übermächtige Armee „in die Knie zu zwingen“. Sie erklärte, der Protest werde so lange andauern, bis das Militär die Macht an eine zivile Regierung übertrage.

Seit Tagen sind die Straßen in Khartum und der Stadt Omdurman am gegenüberliegenden Nil-Ufer wie leergefegt. Viele Bewohner blieben in ihren Häusern. In den meisten Vierteln fuhren keine Busse. Das Geschäftszentrum von Khartum blieb am Sonntag geschlossen, ebenso die meisten Geschäfte und Märkte in Omdurman.

Einsatzkräfte der von den Oppositionellen gefürchteten Bereitschaftspolizei RSF, die von Augenzeugen für die Auflösung des Protestlagers mit dutzenden Toten am Montag verantwortlich gemacht wird, fuhren am Sonntag mit Maschinengewehren bewaffnet durch einige Stadtteile Khartums. Sie setzten auch Tränengas gegen die Demonstranten ein.

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Seit dem Sturz von Langzeit-Diktator Omar al-Bashir im vergangenen Dezember finden in dem ostafrikanischen Land Massenproteste statt. Die Demonstranten fordern eine zivile Regierung. Verhandlungen zwischen der Protestbewegung und den Generälen, die seit dem Sturz Bashirs die Kontrolle über das Land haben, kamen Mitte Mai zum Erliegen.

Am Freitag war der äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed zu einer Vermittlungsmission nach Khartum gereist. Nach getrennten Gesprächen mit Vertretern des Militärrats und der Protestbewegung hatte er einen „schnellen“ demokratischen Übergang gefordert.

Papst Franziskus rief die Menschen im Sudan zum Frieden auf. Die Nachrichten aus dem Land bereiteten ihm Schmerzen und Sorge, sagte der Papst am Pfingstsonntag auf dem Petersplatz. „Beten wir für dieses Volk, damit die Gewalt endet und im Dialog das Gemeinwohl gesucht wird“, sagte er laut Kathpress nach seinem Mittagsgebet.

Der herrschende Militärrat müsse darüber nachdenken, wie er „mit dem sudanesischen Volk umgehen kann, ohne noch mehr Blut zu vergießen“, sagte der Erzbischof von Khartum, Michael Didi Adgum Mangoria, laut dem Portal „Vatican News“ (Samstag) der italienischen katholischen Nachrichtenagentur SIR. Er berichtete von wütenden Protesten junger Menschen in der sudanesischen Hauptstadt.

„Es scheint nicht, dass die Situation bald gelöst sein wird, es wird einige Zeit dauern, bis wieder Ruhe einkehrt“, so der Erzbischof. Die Kirche rufe zum „zum Gebet und zur Vorsicht“ auf.




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