Letztes Update am So, 09.06.2019 20:45

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Proteste bei Kasachstan-Wahl - Tokajew klar voran



Übergangspräsident Kassim-Jomart Tokajew hat die Wahl in Kasachstan laut Prognosen klar gewonnen. Demnach kam Tokajew auf mehr als 70 Prozent der Stimmen, der Oppositionspolitiker Amirschan Kosanow folgte mit lediglich 15,4 Prozent. Die Wahl war von massiven Protesten gegen Tokajew und den bereits im Vorfeld erwarteten Wahlausgang begleitet gewesen. Etwa 500 Menschen wurden festgenommen.

Das Innenministerium nannte am Sonntagabend die Zahl von etwa 500 Festgenommenen, wie die Staatsagentur Kazinform meldete. Nicht genehmigte Kundgebungen habe es in der Hauptstadt Nur-Sultan (früher Astana) und in Almaty gegeben. Die Demonstranten hätten versucht, die Lage am Wahltag zu destabilisieren. Genaue Zahlen zu den Teilnehmern der Proteste wurden zunächst nicht genannt. Am Nachmittag war von mehreren Tausend die Rede.

Im Kurznachrichtendienst Twitter wurden Bilder und Videos verbreitet, auf denen zu sehen war, wie die Polizei gegen Demonstranten vorgeht. Zu sehen ist ein massives Polizeiaufgebot und wie sich Menschen gegen ihre Festnahme wehren.

Die Wahllokale in der ölreichen Ex-Sowjetrepublik schlossen am Abend. Mit der Abstimmung wollte sich der Übergangspräsident Kassym-Schomart Tokajew offiziell in seinem Amt bestätigen lassen. Der 66-Jährige hatte im März die Nachfolge von Nursultan Nasarbajew angetreten, der nach fast 30 Jahren an der Macht überraschend sein Amt niedergelegt hatte. Tokajew gilt als Vertrauter Nasarbajews.

In Wien wurde in der Botschaft Kasachstans ein Wahllokal geöffnet, hieß es in einer Aussendung am Sonntag. Ungefähr 340 kasachische Staatsbürger, die in Österreich leben oder sich vorübergehend dort aufhalten, stehen demnach in der Wählerevidenz.

Zu den landesweiten Protesten aufgerufen hatte der wichtigste Kritiker des früheren Präsidenten Nasarbajew, der im Ausland lebende Banker Muchtar Abljasow. Nasarbajew war vor zweieinhalb Monaten nach jahrzehntelanger Herrschaft überraschend zurückgetreten. Ein Sieg des von ihm ernannten Übergangspräsidenten Tokajew gilt als ausgemacht.

Gegen den 66-jährigen Ex-Außenminister traten sechs Kandidaten an. Der Journalist Amirschan Kowanow wurde als einiziger Kandidat der Opposition zugerechnet. Auch er hat im Wahlkampf aber nur leise Kritik an der Regierung geübt. Zu der Wahl, bei der 300 Wahlbeobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) im Einsatz waren, waren knapp zehn Millionen Menschen aufgerufen.




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