Letztes Update am Mo, 10.06.2019 15:04

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tauziehen zwischen Protestbewegung und Militärrat im Sudan



Das Tauziehen zwischen der Militärregierung im Sudan und der Protestbewegung hat am Wochenende angehalten: Bei Protesten anlässlich einer Kampagne des „zivilen Ungehorsams“ wurden nach Angaben von Ärzten am Sonntag vier Menschen getötet. Die Militärführung ließ laut einem Bericht des Staatsfernsehens drei prominente Anführer der Aufständischen frei.

Die Protestbewegung machte das Militär für den Tod von 118 Menschen binnen einer Woche verantwortlich und sprach darüber hinaus von mehr als 500 Verletzten. Mit der Kampagne des zivilen Ungehorsams wurde das öffentliche Leben in der Hauptstadt Khartum und andernorts am Sonntag weitgehend lahmgelegt.

General Jamal al-Din Omar vom Militärrat machte die Protestbewegung für die „unglücklichen Vorfälle“ der vergangenen Tage verantwortlich. Die Regierung gab die Zahl der Getöteten mit 61 an. Din Omar kündigte eine Verstärkung der Einsatzkräfte an, um die Rückkehr zur Normalität zu gewährleisten.

Anhänger der Protestbewegung verbarrikadierten am Sonntag den nördlichen Bezirk Bahari von Khartum mit Autoreifen, Baumstämmen und Steinen. Sie folgten damit einem Aufruf für eine „Bewegung des zivilen Ungehorsams“ gegen die Niederschlagung eines Sitzstreiks durch die Armee.

Einsatzkräfte der von den Oppositionellen gefürchteten Bereitschaftspolizei RSF, die von Augenzeugen für die Auflösung des Protestlagers mit dutzenden Toten am Montag vergangener Woche verantwortlich gemacht wird, fuhren mit Maschinengewehren bewaffnet durch mehrere Stadtteile Khartums.

Eine Verdreifachung der Brotpreise hatte vor Monaten Massenproteste gegen den Langzeitherrscher Omar Al-Bashir ausgelöst. Seit dem Sturz Bashirs am 11. April fordern die Demonstranten die seither regierenden Generäle dazu auf, die Macht an eine zivile Regierung zu übergeben. Verhandlungen zwischen der Protestbewegung und dem Militärrat kamen Mitte Mai zum Erliegen.

Am Freitag hielt sich der äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed zu einer Vermittlungsmission in Khartum auf. Nach getrennten Gesprächen mit Vertretern des Militärrats und der Protestbewegung setzte er sich für einen „schnellen“ demokratischen Übergang ein.

Nach dem Besuch Abiy Ahmeds wurden die Oppositionellen Ismail Jalab und Mubarak Ardol festgenommen, die mit dem äthiopischen Regierungschef zu Gesprächen zusammengekommen waren. Sie sowie der Vizechef der Volksbefreiungsbewegung Nord (SPLM-N) wurden einem Fernsehbericht zufolge am Montag wieder freigelassen.




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