Letztes Update am Di, 11.06.2019 07:46

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


ÖFB-Team nach Sieg wieder voll im Rennen um EM-Qualifikation



Österreichs Fußball-Nationalmannschaft ist in der EM-Qualifikation wieder voll im Rennen. Mit dem 4:1 am Montag in Nordmazedonien holte die ÖFB-Auswahl den zweiten Sieg in Folge, schob sich in Gruppe G auf Rang drei und liegt nur noch einen Punkt hinter dem von Israel gehaltenen zweiten Platz, der zur Teilnahme an der EURO 2020 berechtigt.

Dementsprechend positiv fiel das Resümee von Teamchef Franco Foda aus. „Kompliment an jeden einzelnen Spieler, das war eine tolle Mannschaftsleistung. Der Sieg in dieser Höhe ist absolut verdient.“ Der Fehlstart mit zwei Niederlagen im vergangenen März wurde nun halbwegs korrigiert. „Die Mannschaft hat beweisen, dass sie dem Druck standhalten kann“, sagte Foda.

Nur zwei Schönheitsfehler gab es beim klaren Erfolg in Skopje - das Eigentor von Martin Hinteregger nach Missverständnis mit Goalie Heinz Lindner und die mangelnde Effizienz. „Wenn man etwas kritisieren muss oder darf, dann die Chancenauswertung. Wir hätten das eine oder andere Tor mehr erzielen müssen, doch wir sind zufrieden“, erklärte Foda. „Wir haben schon in der ersten Hälfte toll gespielt und hätten 3:1 oder 4:1 führen müssen. Beim Eigentor waren wir leider unaufmerksam, sind aber trotzdem zurückgekommen.“

Selbst beim Stand von 0:1 hatte der Teamchef nach eigenen Angaben so gut wie keine Zweifel an einem österreichischen Sieg. „Wir haben ein ähnliches Spiel in Israel erlebt, wo wir auch in der ersten Hälfte viele Chancen vorgefunden haben. Doch ich war mir ziemlich sicher, dass wir es drehen werden, weil wir extrem gut gespielt haben.“

Die These, dass die ÖFB-Auswahl die beste Partie seit vielen Monaten ablieferte, wollte Foda nicht bestätigen. „Wir waren über 90 Minuten sehr konzentriert, aber wir haben auch schon in anderen Länderspielen gut kombiniert.“

Auf seine Teamspieler wartet nun mit Ausnahme von Xaver Schlager, Stefan Posch und Philipp Lienhart, die mit dem U21-Team die EM bestreiten, der Sommerurlaub. Weiter geht es für sie in der EM-Qualifikation am 6. September in Salzburg gegen das punktlose Schlusslicht Lettland und vier Tage später in Warschau gegen den makellosen Spitzenreiter Polen. „Jetzt gilt es, die positiven Ergebnisse für den nächsten Lehrgang mitzunehmen“, erklärte Foda.

Im September sollten Spieler wie David Alaba, Julian Baumgartlinger oder auch Florian Grillitsch wieder dabei sein, die unter Foda zum Stamm zählen. In Anbetracht der Leistungen jener Kicker, die für die Verletzten einsprangen, dürfte der Coach in den kommenden Matches die Qual der Wahl haben. „Der Konkurrenzkampf ist größer geworden, das ist schön“, meinte der 53-Jährige.

Auch dieser Aspekt stimmt den Deutschen im Hinblick auf die entscheidende Phase im Herbst zuversichtlich. „Wir haben sechs Punkte geholt, die waren sehr wichtig. Jetzt gilt es, dranzubleiben und die Leistungen zu bestätigen. Wir wollen unbedingt unter die Top zwei“, betonte Foda und prophezeite ein knappes Rennen. „Man sieht, dass die Gruppe sehr eng ist. Polen marschiert vorne weg, das konnte man so erwarten. Um Platz zwei wird es bis zum Schluss spannend bleiben. Wir sind jetzt wieder voll dabei, das war uns sehr wichtig.“

Auch wenn Marko Arnautovic als zweifacher Torschütze in Erscheinung trat - prägend für die Spielweise des österreichischen Fußball-Nationalteams beim 4:1 in der EM-Qualifikation gegen Nordmazedonien waren andere. Gleich acht Profis, die bei Red Bull Salzburg unter Vertrag sind oder waren, standen in der ÖFB-Startformation und drückten der Partie in Skopje ihren Stempel auf.

Das Pressing und das schnelle, direkte Spiel nach vorne erreichten in der Nationalmannschaft eine länger nicht mehr gesehene Qualität. Verantwortlich dafür waren unter anderem der überragende Konrad Laimer und sein Zentrums-Partner Xaver Schlager. „Was der heute abgeliefert hat - überragend“, sagte Aleksandar Dragovic über Laimer.

Marko Arnautovic wiederum meinte über Schlager: „Ich weiß nicht, was der getrunken oder gegessen hat. In zwei Spielen solche Meter zu machen, ist Wahnsinn. Er hat eine große, große Zukunft vor sich.“

Schlager nahm dieses Lob in der für ihn typischen Gelassenheit zur Kenntnis. „Das ist schön zu hören, aber das heißt nicht, dass es auch eintrifft.“ Dass die Zusammenarbeit mit Laimer sowohl beim 1:0 gegen Slowenien als auch beim Sieg in Nordmazedonien dermaßen gut funktionierte, kam für Schlager nicht überraschend. „Wir haben dieselben Gedanken, wollen immer Druck nach vorne machen und den Gegner unter Druck setzen.“

Das Duo versteht sich nach vielen gemeinsamen Jahren im Salzburg-Nachwuchs auch privat blendend. Ein Beweis dafür ist der gemeinsame Kurzurlaub, der nun im Haus ihres Managers auf Mallorca ansteht und bei dem auch Stefan Lainer sowie Austria-Goalie Patrick Pentz mit von der Partie sind. „Dort werden wir zwei Tage regenerieren, auftanken und gut essen. Da wird einmal nicht über Fußball geredet, da machen wir alles andere, vom ins Meer hupfen bis von Klippen springen“, erzählte Schlager.

Danach geht es für den Salzburg-Mittelfeldspieler direkt zur U21-Auswahl, die am Montag gegen Serbien in die EM startet. Auch Laimer wäre bei diesem Turnier spielberechtigt, allerdings gab es von seinem Club RB Leipzig keine Freigabe. Als Trost blieb dem 22-Jährigen die Tatsache, in Skopje an drei Toren beteiligt gewesen zu sein.

Dass er in seinem zweiten Länderspiel nicht als Torschütze geführt wurde, lag an der UEFA, die den vierten ÖFB-Treffer nachträglich als Eigentor von Egzon Bejtulai wertete. „Ich habe schon gewusst, dass es leider nicht mein Tor sein wird“, sagte Laimer.




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