Letztes Update am Di, 11.06.2019 13:36

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Islamophobie häufigster Grund für Diskriminierung an Schulen



Die Initiative für ein diskriminierungsfreies Bildungswesen (IDB) hat für das Jahr 2018 insgesamt 260 Diskriminierungsfälle an Schulen und Universitäten dokumentiert. Wie der Vereinsvorstand am Dienstag mitteilte, ist Islamophobie mit 122 Fällen der häufigste Grund für Diskriminierung. Auch die ethnische Zugehörigkeit sei ein Hauptgrund.

Der gemeinnützige Verein, der sich als „unabhängige Meldestelle“ bezeichnet, wünscht sich eine vollständige Umsetzung der UN-Menschenrechts- und Kinderrechtskonvention sowie des Gleichbehandlungsgesetzes an den Bildungseinrichtungen. „Wir wollen den Abbau von Barrieren und den Aufbau von Chancen fördern“, sagte Vorstandsmitglied Persy-Lowis Bulayumi.

Die 260 Fälle seien zusammen mit „Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit“ (ZARA), den Antidiskriminierungsstellen Steiermark und Kärnten sowie der „Schwarze Frauen Community“ erhoben worden. Die meisten Vorfälle seien via Mail, soziale Medien oder App gemeldet worden. „Die Dunkelziffern ist wohl viel größer“, sagte Jenny Simanowitz.

Die IDB stellte auch einige anonymisierte Fallbeispiele vor: So sei eine Schülerin von ihrem Lehrer als „ISIS-Terroristin, Islamistin, Dschihadistin“ beschimpft worden, der zudem die Freundschaft der Schülerin mit anderen Mitschülern untergraben wollte. In einem anderen Fall wird von einem Biologielehrer berichtet, der Afrikanern und Asiaten das Fehlen eines „Intelligenzgenes“ attestierte.

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Lediglich ein knappes Drittel der islamfeindlichen Fälle habe aufgrund sichtbarer religiöser Merkmale stattgefunden. „Das Kopftuchverbot schützt nicht vor Diskriminierung, sondern macht stattdessen nur die Religion unsichtbar“, schlussfolgerte Marlies Parchment.

Das geplante Kopftuchverbot an Schulen fördere Ressentiments gegen muslimische Schüler. „Wir erwarten von Bundespräsident Alexander van der Bellen, dass er dieses Gesetz nicht unterzeichnet“, so Obfrau Sovia Zaafrani. Für Parchment hilft ein solches Gesetz auch nicht gegen einen etwaigen Zwang aus dem Elternhaus, ein Kopftuch tragen zu müssen. „Da ist ein sensibles Vorgehen und ein Dialog mit den Eltern wichtig“, meinte sie.

Zaafrani kritisierte zudem die Deutschförderklassen: „Der Name ist irreführend, der Erwerb der deutschen Sprache wird behindert, die Kinder verlieren den Anhang an ihre Altersgenossen“, sagte sie und forderte Bildungsministerin Iris Rauskala zu raschem Handeln auf. „Schon nach den Sommerferien müssen diese Diskriminierungsklassen gestoppt werden“, forderte sie.

Bei lediglich 69 der 260 dokumentierten Fälle sei Zivilcourage gezeigt worden. „Zivilcourage hat einen Dominoeffekt“, sagte Parchment und erläuterte, dass nach Akten der Zivilcourage im selben Umfeld die Diskriminierung zurückgegangen sei.

Aufgrund ihrer Erhebungen stellte die IDB einen Elf-Punkte-Plan vor, der beispielsweise Weiterbildungen und die Förderung der Diversifizierung des Lehrpersonals vorsieht. „Damit steigt das Verständnis für die Herausforderungen bestimmter Gruppen“, erklärte Simanowitz. Antidiskriminierungsbeauftragte an Schulen solle zudem eine Anlaufstelle bieten und könne einen besseren Überblick über die Situation schaffen.




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