Letztes Update am Mi, 12.06.2019 12:13

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Prozess gegen Ex-OSV-Spitze von Schauers Tod überschattet



Der Prozess gegen die frühere Spitze des Österreichischen Schwimm-Verbandes (OSV) hat am Mittwoch in Wien unter tragischen Umständen begonnen. Einer der Angeklagten, der von 2004 bis 2012 für den Verband als Präsident fungierende Paul Schauer, ist am Montag verstorben. Im Prozess geht es um die Anklage der Erschleichung von Sport-Fördermitteln.

Das Gerücht über das Ableben von Schauer hatte schon unmittelbar vor Beginn des Prozesses im Straflandesgericht die Runde gemacht. Kurz nach des etwas verzögerten, für 9.00 Uhr angesetzten Prozessbeginns sorgte Richterin Patrizia Kobinger-Böhm für Klarheit: „Ich bin heute Früh von seinem Anwalt (Karl Klein, Anm.) informiert worden, dass sein Mandant Paul Schauer vorgestern verstorben ist.“

Schauer war in der sportlichen Blütezeit von Österreichs Schwimmsport dem Verband vorgestanden. Der nun im Alter von 72 Jahren verstorbene ehemalige Geschäftsführer der Media-Agenturgruppe Media Austria übernahm die Führung im Frühjahr 2004, nachdem sein Vorgänger Otmar Brix im Sommer 2003 während der WM in Barcelona verstorben war. In den folgenden acht Jahren erreichten Markus Rogan, Mirna und Dinko Jukic und Co. ihre größten Erfolge.

Richterin Kobinger-Böhm gab etwas später während des Prozesses bekannt, dass ihr ein am Dienstag abgesandter Brief zugestellt worden sei, der gemäß Datierung von Schauer am Montag - seinem Todestag - verfasst worden sein soll. Das Schreiben beinhalte aber keine handschriftliche Unterschrift. Kobinger-Böhm: „Der Brief ist eine Replik auf die Anklage, er enthält seine Sicht der Dinge. Es ist aber in keiner Art eine Art Abschiedsbrief.“

Der Prozess an sich begann mit den einleitenden Stellungnahmen des Staatsanwalts sowie der Anwälte der Angeklagten. Das sind Robert Lattermann und Eduard Salzborn für Walter Benesch (Ex-Finanzreferent des OSV), Klaus Ainedter für Thomas Gangel (Ex-Generalsekretär des OSV), Martin Unger und Anton Draskovits für drei weitere Angeklagte.

Als geschädigter Privatbeteiligter war der durch den aktuellen Präsidenten Arno Pajek, selbst Anwalt, vertretene OSV anwesend. Nach einer Stellungnahme von dessen Anwalt Rainer Rienmüller begannen mit Benesch die Aussagen der Angeklagten.

Nicht mehr auf der Anklagebank in diesem Prozess war Christian Meidlinger (SPÖ), Wiener Landtagsabgeordner und Vorsitzender der younion-Gewerkschaft. „Es läuft eine Diversion“, begründete Richterin Patrizia Kobinger-Böhm, warum Meidlinger nicht im Gerichtssaal erschienen war. Meidlinger war als Nachfolger von Paul Schauer von September 2012 bis August 2013 OSV-Präsident. Ihm wurde in der Anklageschrift von der Staatsanwaltschaft ein einmaliges Fehlverhalten zu Jahresende 2012 vorgeworfen.

Als zweiter Prozesstag ist der (morgige) Donnerstag angesetzt.




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