Letztes Update am Mi, 12.06.2019 13:26

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


„Hans Hollein ausgepackt“: Az W widmet sich dem Haas-Haus



„Wenn das keine Wiener Geschichte ist“, fasst Angelika Fitz, Direktorin des Architekturzentrums Wien (Az W) die Begleitumstände zum Bau von Hans Holleins Haas-Haus zusammen, dem nunmehr eine eigene Ausstellung im Rahmen der Reihe „SammlungsLab“ gewidmet ist. „Hans Hollein ausgepackt: Das Haas-Haus“ zeichnet die Entwicklung des umstrittenen Projekts bis hin zur Unterschutzstellung als Denkmal nach.

Basis für die kleine, aber feine Schau ist der im Jahr 2016 von der Republik angekaufte Nachlass des Architekten (1934-2014), der seither im Auftrag des MAK (Museum für angewandte Kunst) im Az W aufgearbeitet wird. Kuratorin Mechthild Ebert hat aus dem 263 Europaletten umfassenden Archiv mit dem Haas-Haus nun eines von Holleins prominentesten Werken ausgewählt, um dessen Entstehungsgeschichte nachzuzeichnen. „Es hat dieses spezielle Eck immer gegeben; von dort aus wurde die Stadt erweitert“, führte Ebert am Donnerstag im Zuge der Pressekonferenz in die Geschichte des Bauplatzes direkt gegenüber des Stephansdoms ein.

Dort, wo einst das römische Legionslager angesiedelt war, ließ die Firma Philipp Haas & Söhne in den Jahren 1865 bis 1867 das erste Haas-Haus erbauen. Damals zeichneten August Sicard von Sicardsburg und Eduard van der Nüll für die Architektur verantwortlich. 1953 folgte das nach Kriegsschäden neu errichtete Haas-Haus, diesmal von Carl Appel, Max Fellerer und Eugen Wörle. Dieses „zweite Haas-Haus“ sollte Hollein ursprünglich lediglich umbauen, wovon einige erhaltene Studien in der Ausstellung zeugen. Bald wurde die Idee jedoch verworfen und so entstanden zahlreiche Skizzen, Modelle und Fotos unterschiedlicher Entwürfe, mithilfe derer Ebert nun die Entstehung des 1990 eröffneten Gebäudes, das seit 2012 unter Denkmalschutz steht, sichtbar macht.

Flankiert wird die Schau, die sich direkt neben der Az W-Bibliothek findet, von der äußerst kritischen öffentlichen Diskussion rund um Pläne und Errichtung, die in Form von Zeitungsberichten und Radiobeiträgen nacherzählt wird. So forderten verschiedene Initiativen sowie ein Proponentenkomitee unter der Leitung des Architekten Walter Jaksch die Erhaltung des vorhandenen Nachkriegsbaus; Hollein bekam jedoch vom damaligen Wiener Bürgermeister Helmut Zilk (SPÖ) Rückendeckung. Az W-Chefin Fitz nannte die Causa „symptomatisch für Wien: zunächst jahrelang umkämpft und 20 Jahre später unter Denkmalschutz“. Die Diskussion werfe auch die Frage auf, was in einer historischen Innenstadt möglich und angemessen sei, verwies sie auf aktuelle Debatten auch in Deutschland.

Die nunmehrige Ausstellung mache jedenfalls deutlich, „welche Schätze ein Architekturmuseum birgt. Das ist ein Beweis dafür, dass in Wien ein Architekturmuseum auf einer größeren Ebene notwendig ist.“ Der Nachlass wird jedenfalls weiterhin beforscht. Die Ausstellung aus Anlass von Holleins 85. Geburtstag in diesem Jahr sei jedenfalls eine gute Gelegenheit gewesen, einen Zwischenstand zu präsentieren.




Kommentieren