Letztes Update am Mi, 12.06.2019 17:39

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Inn-Hochwasser: Entspannung für Donnerstag erwartet



Die Hochwassersituation in Tirol vor allem entlang des Inns ist auch Mittwochnachmittag angespannt geblieben. Die Experten rechneten mit einer Entspannung erst im Laufe des Donnerstags, da die Niederschläge laut den aktuellen Prognosen ab Mittwochabend abklingen sollen. Einsatzorganisationen wie Feuerwehren und Wasserrettung blieben vorerst in Bereitschaft.

In Abstimmung mit den Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden, mit der Stadt Innsbruck und mit den Kraftwerksbetreibern seien vorsorgliche Sicherheitsmaßnahmen getroffen worden, um bei einem weiteren Anstieg der Pegel, der aufgrund der prognostizierten Niederschläge und der Schneeschmelze zu erwarten sei, bestmöglich für alle Eventualitäten gerüstet zu sein, berichtete LHStv. und Sicherheitsreferent Josef Geisler (ÖVP). Von Überschwemmungen betroffen waren vorerst vor allem landwirtschaftliche Nutzflächen.

Eine konkrete Prognose zur weiteren Entwicklung der Lage sei sehr schwierig, da diese auch von der Wetter- und Abflussentwicklung entlang der Zubringer des Inns wie beispielsweise der Ötztaler Ache und des Zuflusses aus der Schweiz zusammenhängen, hieß es. Obwohl sich das Wetter am Abend beruhigen soll, müssten die Niederschlagsmengen erst abfließen, erklärte Klaus Niedertscheider, Leiter des Sachgebiets Hydrographie und Hydrologie des Landes Tirol. Außerdem werde die Schneeschmelze auch weiterhin stattfinden, weshalb die Situation im Laufe des Mittwochs und auch während der Nacht beobachtete werden müsse, so Niedertscheider.

Eine Sperre der Innbrücke inmitten der Landeshauptstadt zeichnete sich vorerst nicht ab. Ab welchem Pegelstand sie gesperrt wird, hängt laut Elmar Rizzoli, Leiter des städtischen Amts für Allgemeine Sicherheit, davon ab, „was im Wasser daherkommt“. Im Jahr 2005, beim letzten großen Hochwasser in Innsbruck, hatte man die Innbrücke bei einem mit diesem Jahr vergleichbaren Pegelstand bereits abgeriegelt, sagte Rizzoli zur APA. Der Fluss führte damals viel Treibholz, das aufgrund von Vermurungen im Wasser landete. Derzeit könnte der Inn noch weitere 50 bis 60 Zentimeter steigen, ohne dass man die Brücke sperren müsste, hieß es.

Aufgrund der anhaltend angespannten Hochwassersituation wurde laut Medienberichten in der Bezirkshauptstadt Schwaz am Nachmittag Zivilschutzalarm gegeben. Man rechne damit, dass der Inn am späten Nachmittag über die Ufer treten könnte, hieß es. Die Bevölkerung wurde dazu aufgerufen tieferliegende Keller und Tiefgaragen zu räumen.

Hausbesorger, Hausmeister und Hausbesitzer sind zudem dazu angehalten, Öltanks und Technikräume in den Kellerbereichen zu sichern, teilte die Gemeinde auf ihrer Website mit. Die Steinbrücke musste bereits am Vormittag gesperrt werden. Im Bereich des Umspannwerks wurden Sandsäcke ausgebracht, außerdem wurden die Industrieanlagen im Gewerbegebiet Ost gesichert. An der Bundesstraße wurden Hochwassersperren aufgebaut und Sandsäcke vorbereitet.

Das Land Tirol gab indes Verhaltens- und Sicherheitshinweise für die Bevölkerung aus. Demnach sollten Uferbereiche von Bächen und Flüssen gemieden werden. Außerdem wurde geraten, Fahrzeuge vorsorglich aus Tiefgaragen in sichere Bereiche zu bringen und Gegenstände, die nicht nass werden sollen, aus dem Keller zu räumen. Behördliche Straßen-, Brücken- und Wegesperren seien jedenfalls zu beachten, wurde betont.

Angesichts der prekären Hochwasserlage bereitet sich auch die Innsbrucker Klinik auf einen möglichen Ernstfall vor. Ein „technischer Einsatzstab“ wurde hochgefahren, ebenso ein Krisenstab in „minimaler Besetzung“, hieß es in einer Aussendung. Das Areal der Klinik verfüge bereits seit einigen Jahren über einen sehr effektiven baulichen Hochwasserschutz, wurde betont.

Dieser könne innerhalb kürzester Zeit aktiviert werden. Ein verbleibendes Risiko sei jedoch Wasser, das von unten in die Gebäude hereingedrückt wird. Beobachtungsteams würden engmaschig gefährdete Bereich wie etwa Garagen, unterirdische Gänge und das Fernheizwerk kontrollieren. Mitarbeiter, vor allem aus den technischen Bereichen, würden zudem bis nach Dienstschluss vorerst am Areal bleiben.

Indes hat die Hochwasserlage lokal auch Auswirkungen auf den Bahnverkehr. Zwischen Innsbruck Westbahnhof und Innsbruck Hötting blieb die Strecke wegen der aktuellen Witterungssituation bzw. des Pegelstandes des Inn weiter unterbrochen. Die nächste Lagebeurteilung erfolge Donnerstagfrüh, hieß es. Ein Schienenersatzverkehr wurde eingerichtet.

Das jüngste große Hochwasser, das auch die Landeshauptstadt Innsbruck betraf, hatte sich im Jahr 2005 ereignet. Damals trat der Inn über das Ufer - unter anderem wurde die Bibliothek der Universität teilweise überschwemmt. Insgesamt war landesweit ein Schaden von 350 Millionen Euro entstanden. Zudem war ein Todesopfer zu beklagen.

Auch in Kärnten sorgten Gewitter mit Starkregen und teilweise auch Hagel für Feuerwehreinsätze. Laut Auskunft der Landesalarm- und Warnzentrale (LAWZ) wurden im Bezirk Villach-Land Keller überflutet, die Gesamtzahl der Einsätze blieb aber im einstelligen Bereich.

In Villach wurden am Mittwoch Teile eines Radweges entlang der Drau wegen Hochwassergefahr gesperrt. Laut den Prognosen für die kommenden Stunden könnte das Wasser noch weiter steigen, hieß es in der Aussendung vom Nachmittag. Die Pegelstände werden von Mitarbeitern des Wirtschaftshofes der Stadt Villach kontinuierlich überprüft, wie lang die Sperre dauert, war vorerst noch nicht absehbar.

Nachdem am Dienstagabend eine Mure die Straße über den Wurzenpass in Kärnten verlegt hatte, ist die Straßensperre am Mittwochnachmittag wieder aufgehoben worden. Wie die Polizei auf APA-Anfrage sagte, wurde die Passstraße, die Kärnten mit Slowenien verbindet, mit 15.00 Uhr wieder für den Verkehr freigegeben.

Die Mure war wegen eines Unwetters abgegangen und hatte die Wurzenpass Straße (B109) auf einer Länge von 300 Metern verschüttet. 20 Feuerwehrleute standen im Einsatz. Starker Regen hatte die Aufräumarbeiten erschwert, die noch bis Mittwochnachmittag andauerten.

Am Rhein in Vorarlberg stieg unterdessen entgegen anderslautender Prognosen der Pegel m Mittwoch erneut. Die Rheinvorländer von der Brücke zwischen Mäder (Bezirk Feldkirch) und Kriessern (CH) flussabwärts wurden gesperrt, berichtete die Internationale Rheinregulierung (IRR). Die Organisation rechnet mit einem etwa zehnjährigen Hochwasser.

Die Rheinvorländer unterhalb der Wiesenrainbrücke zwischen Lustenau und Widnau (CH) waren bereits am Dienstag aus Sicherheitsgründen für Fußgänger und Radfahrer gesperrt worden. Weidevieh wurde aus dem Gefahrenbereich gebracht. Diese Vorländer waren am Mittwoch überflutet. Auf Höhe Fußach brach aufgrund der Wassermassen ein Mitteldamm zwischen dem Fluss und dem in Fließrichtung rechts gelegenen Rheinvorland, die Hochwassersicherheit wird dadurch nach Angaben der IRR aber nicht beeinträchtigt.

Am Dienstag war noch davon ausgegangen worden, dass sich die Lage am Mittwoch beruhigt. Prognosen von Mittwochnachmittag deuteten dann aber darauf hin, dass für den frühen Abend eine zweite Hochwasserwelle mit Abflussmengen von bis zu 2.000 Kubikmeter pro Sekunde zu erwarten sein dürfte. Das entspräche einem zehnjährigen Hochwasser, erklärte Mathias Speckle von der IRR. Am gesamten Alpenrhein gilt Gefahrenstufe 3 auf der fünfteiligen Skala. Laut IRR kann eine Hochwassersituation wie im Juni 2016 nicht ausgeschlossen werden.

Grund für das Hochwasser sind starke Niederschläge im Einzugsgebiet des Alpenrheins. Sie sollen im Laufe des Nachmittags zwar aufhören, in Kombination mit der Schneeschmelze kommen aber doch beträchtliche Abflussmengen zustande.

Die Technischen Einsatzleitungen der Rheinbauleitungen Schweiz und Österreich beobachten die Lage. Die Feuerwehren sind auf einen möglichen Dammbeobachtungseinsatz am Mittwochabend von der Brücke Höchst-Lustenau flussabwärts vorbereitet.




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