Letztes Update am Do, 13.06.2019 12:11

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tiroler Landesmuseum widmet sich popkulturellen Phänomenen



Die Ausstellung „Trash Mysticism“ von Karin Ferrari im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum widmet sich in zwei Räumen popkulturellen Phänomen wie einer iPhone-Werbung oder einem Videoclip der amerikanischen Popsängerin Taylor Swift. Mit dokumentarisch anmutenden Kurzfilmen möchte die Künstlerin „the whole truth“ und versteckte Botschaften in diesen Videos offenlegen. Eröffnet wird am 13. Juni.

Hinter der inszenierten Sexyness in Taylor Swifts Musikvideo „Look What You Made Me Do“ versteckt sich eigentlich eine okkulte Botschaft. Swift, so legt es Karin Ferrari nahe, ist darin die Diktatorin einer schwarzmagischen Geheimgesellschaft. Die Argumente, die sie aus der Symbolik des Videos ableitet, sind ebenso zwingend wie zum Teil reichlich abstrus.

Zeitlupe und Standbilder legen auf einer großen Projektionswand Schritt für Schritt die luziferanischen Kräfte der Sängerin offen, die beispielsweise einen Schlangenring trägt. Den Zeichen und Symbolen im Video werden weiters durchgehend okkulte Bedeutungen zugeschrieben. Ob diese Auslegung zutrifft, ist dabei zweitrangig. „Wir bewegen uns in einer postfaktischen Realität“, meinte die Kuratorin der Ausstellung, Rosanna Dematté, bei einer Presseführung am Donnerstag in Innsbruck. „In dieser Realität haben wir die Freiheit unsere eigene Wahrheit zu konstruieren“, so die Kuratorin.

So bekommt man im ersten Raum der Ausstellung auf dem Display eines überdimensionierten iPhones die konstruierte Wahrheit von Ferrari zu sehen, die sich für sie aus einem iPhone-Werbeclip ableiten lässt. Nicht nur begegnet man hier dem altbekannten Apfelsymbol, das auf dunkle und verführerische Mächte und Kräfte verweist, sondern auch der Erzählung, dass das erste Apple-Gerät für 666 Dollar verkauft worden sei. Dieses biblische Zeichen des „Wilden Tieres“ bezieht sich auf Satan höchstpersönlich.

Die Künstlerin selbst hielt sich bei der Ausstellung mit Kommentaren und Auslegungsvorschlägen ihrer Auslegungskunst bewusst zurück. „Ich brauche Ihre Hilfe“, waren die Worte, mit denen sie die Presseführung beschloss. Jeder möge sich einen Reim auf Alltagsphänomene machen. Ihre Kunst dürfe als Einladung gesehen werden, Werbeclips, Musikvideos oder Ähnliches selbst zu interpretieren. Auch die kritische Interpretation ihrer Interpretationen erscheint dadurch als legitimes Betätigungsfeld. Gegebenenfalls kann man aber auch schmunzelnd oder staunend ihren kreativen Wahrheitskonstruktionen folgen.




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