Letztes Update am Do, 13.06.2019 23:10

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Pompeo: Iran für mutmaßliche Tanker-Angriffe verantwortlich



US-Außenminister Mike Pompeo hat dem Iran die Verantwortung für die mutmaßlichen Angriffe auf zwei Tanker im Golf von Oman zugewiesen. „Es ist die Einschätzung der USA, dass die Islamische Republik für die Angriffe verantwortlich ist“, sagte Pompeo am Donnerstag in Washington in einem Kurzauftritt vor Kameras.

Diese Einschätzung basiere auf Geheimdienstinformationen, die Art der verwendeten Waffen und die Ausgeklügeltheit der Angriffe, sagte Pompeo. Die Aktion sei Teil einer Kampagne Teherans, „um die Spannungen eskalieren zu lassen“. Es gehe dem Iran darum, den Öltransport durch die Straße von Hormuz zu unterbinden. Weitere Details oder Beweise für die Behauptungen nannte der Minister nicht.

Auf Twitter schrieb Pompeo, die Angriffe seien eine Bedrohung für den internationalen Frieden und die Sicherheit und eine „nicht hinnehmbare Eskalation der Spannungen durch den Iran“. Am Nachmittag (Ortszeit) wollte sich in New York der UNO-Sicherheitsrat mit dem Vorfall befassen. Mehrere Diplomaten bestätigten, dass die USA Gespräche hinter verschlossenen Türen beantragt haben.

US-Präsident Donald Trump sieht derzeit keine Chancen für neue Verhandlungen mit dem Iran. Er wisse die jüngsten Vermittlungsbemühungen des japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe in Teheran zu schätzen, schrieb Trump am Donnerstag auf Twitter. Er persönlich denke aber, „dass es zu früh ist, auch nur darüber nachzudenken, einen Deal zu machen“. Trump fügte mit Blick auf die Regierung in Teheran hinzu: „Sie sind nicht bereit, und wir sind es auch nicht.“

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran waren zuletzt stark gestiegen, nachdem die Regierung in Washington die Sanktionen gegen die Islamische Republik deutlich verschärft hatte.

Donnerstag früh hatten zwei Schiffe im Golf von Oman Notrufe abgesetzt und wurden evakuiert. Es war von Explosionen auf den Tankern einer deutschen und einer norwegischen Reederei die Rede, die Methanol bzw. Ethanol transportierten. Der genaue Ablauf und die Hintergründe der Vorfälle waren zunächst unklar.

In US-Regierungskreisen hieß es, am Rumpf eines des beiden Schiffe sei ein Sprengsatz entdeckt worden, vermutlich eine Haftmine. Sollte sich dies bestätigen, würde es sich um die gleiche Angriffsmethode wie vor einem Monat handeln, als vier Öltanker vor der Küste der Vereinigten Arabischen Emirate attackiert wurden.

Saudi-Arabien verurteilte die mutmaßlichen Angriffe. Das Königreich verfolge die Nachrichten über die „Terroroperationen“ mit großer Sorge, sagte der saudische Energieminister Khalid al-Falih, wie die staatliche Nachrichtenagentur SPA am Donnerstagabend meldete. Das Land werde die nötigen Maßnahmen ergreifen, um seine Häfen zu schützen.

Die USA rechnen mit weiteren Angriffen auf Öltanker am Golf. „Wir glauben nicht, dass es vorbei ist“, hieß es am Donnerstag in Washington. Die USA berieten mit ihren Verbündeten über eine Reihe von Optionen, um die internationale Schifffahrt im Golf von Oman nach den jüngsten Tankerangriffen zu schützen.

Die US-Regierung wolle die Freiheit der Schifffahrt in der Straße von Hormuz sicherstellen und gewährleisten, dass der internationale Handel nicht gestört werde. Außerdem müssten die USA die Interessen ihrer Truppen und des Handels in der Region schützen. Dies gelte auch für die Interessen der Partner und Verbündeten.

Die Angriffe schienen ein politisches Ziel gehabt zu haben, hieß es weiter. Möglicherweise hätten sie den Besuch des japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe in Teheran stören sollen. „Wir werden jetzt natürlich unsere Präsenz in der Region überprüfen, die zunehmende Bedrohung bewerten und dann entsprechende Entscheidungen fällen“, hieß es. Die USA bewerteten stets die Bedrohungslage für ihre Beamten und Truppen. Diesmal gehe es mit der Straße von Hormuz jedoch um ein strategisch wichtiges Nadelöhr, durch das jeden Tag ein bedeutender Teil des Welthandels abgewickelt werde.




Kommentieren