Letztes Update am So, 16.06.2019 08:23

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Toter bei Protesten in Hongkong



Bei den anhaltenden Protesten gegen ein umstrittenes Gesetz in Hongkong ist ein Demonstrant in den Tod gestürzt. Die Polizei der chinesischen Sonderverwaltungszone teilte auf Anfrage am Sonntag mit, dass es sich um einen Selbstmord gehandelt habe. Der Demonstrant ist das erste Todesopfer der Proteste, die Hongkong seit Tagen in Atem halten.

Wie lokale Medien berichteten, war der Mann am Samstag auf ein Baugerüst an einem Einkaufszentrum geklettert, wo er zunächst Protestbanner gegen das Gesetz für Auslieferungen an China und gegen Regierungschefin Carrie Lam anbrachte. Nachdem er mehrere Stunden auf dem Gerüst ausharrte, kletterte er über die Brüstung und stürzte in die Tiefe. Zuvor versuchten Rettungskräfte den 35-Jährigen zu überzeugen, herunterzuklettern. Auf Fotos ist ein gelbes Luftkissen zu sehen, dass die Feuerwehr vor dem Gerüst entfaltet hatte. Hongkonger legten später Blumen vor dem Einkaufszentrum nieder.

Am vergangenen Wochenende hatten nach unterschiedlichen Schätzungen zwischen Hunderttausenden und einer Million Hongkonger gegen das Vorhaben der Regierung demonstriert. Danach kam es am Mittwoch zu schweren Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten, die offiziell als „Aufruhr“ eingestuft wurden.

Nach den Massenprotesten hatte Regierungschefin Lam am Samstag angekündigt, Beratungen über das Gesetz vorerst auszusetzen. Die Organisatoren der Proteste bemängelten, dass Lam das Gesetz nicht komplett gestrichen hat. Deshalb kam es am Sonntag erneut zu Protesten. Hunderte von Menschen gingen auf die Straßen, um den Rücktritt von Lam zu fordern. Zahlreiche Demonstranten waren ganz in Schwarz gekleidet, manche trugen Blumen. Die Organisatoren hofften auf mehr als eine Million Teilnehmer.




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