Letztes Update am So, 16.06.2019 15:09

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Trauerzeremonie für Zeffirelli am Dienstag in Florenz



Eine Trauerzeremonie zu Ehren des am Samstag verstorbenen italienischen Regisseurs Franco Zeffirelli ist für Dienstag im Dom seiner Geburtsstadt Florenz geplant. Die Messe wird vom Erzbischof der Stadt, Kardinal Giuseppe Betori, zelebriert, teilten die Angehörigen Zeffirellis am Sonntag mit. Erwartet wird, dass tausende Personen sich vom Maestro verabschieden werden.

Wider einer Ankündigung vom Samstag werde der Sarg Zeffirellis am Montag nicht im römischen Rathaus, sondern im Palazzo Vecchio in Florenz aufgebahrt. Der Bürgermeister von Florenz, Dario Nardella, rief für Dienstag einen Trauertag in der Stadt aus. Zeffirelli soll auf dem Hauptfriedhof von Florenz beerdigt werden.

Die Arena von Verona wird Zeffirell zudem am 21. Juni gedenken. Eine Hommage für den „Maestro“ ist vor Beginn der „La Traviata“ geplant, mit der die Saison der Arena eröffnet wird. Zeffirelli hatte für die Arena eine neue Version der „Traviata“ entworfen.

Erwartet wird eine prunkvolle „Traviata“ im typischen Zeffirelli-Stil, die vom stellvertretenden Kunstdirektor der Arena, Stefano Trespidi aufgeführt wird. „Für Zeffirelli war ‚La Traviata‘ die Oper seines Lebens, diejenige, die er am meisten liebte. Er hatte ‚Traviata‘- Aufführungen für das Theater und das Kino inszeniert, keine jedoch für die Arena“, erklärte Arena-Intendantin Cecilia Gasdia im Interview mit der Mailänder Tageszeitung „Corriere della Sera“ (Sonntagsausgabe).

Zum ersten Mal hatte Zeffirelli 1958 die „Traviata“ mit Maria Callas in der Hauptrolle inszeniert. Seine letzte „Traviata“ wird der israelische Dirigent Daniel Oren in der Arena von Verona im Beisein des italienischen Präsidenten Sergio Mattarella dirigieren. „Als ich ihm vor einem Jahr vorgeschlagen hatte, eine neue ‚Traviata‘ aufzuführen, sagte er sofort Ja. Ich wusste, dass es wegen seines Gesundheitszustands nicht einfach sein würde, aber in all diesen sechs Monaten Vorbereitung war es, als wäre er im Theater anwesend. Von zu Hause aus war er in ständigem Kontakt mit dem Bühnenbildner Caro Centolavigna, um seine Pläne durchzusetzen“, so Gasdia.

Zeffirellis Kreativität habe nicht nachgelassen, seine „Traviata“ sei voller neuen Ideen. Das Bett der Violetta, das in Verona auf der Bühne verwendet wird, ist dasselbe, das er in der Verfilmung der Oper im Jahr 1983 mit Teresa Stratas und Placido Domingo benutzt hatte.

Laut Gasdia wusste Zeffirelli, dass er nicht mehr lang leben würde. „Wie nie zuvor empfand er den Schmerz, sich von der Vergangenheit trennen zu müssen. Als ich ihn vor einem Monat zum letzten Mal sah, ging es ihm besser, er wollte reden, er war liebenswürdig und ruhig. Als Mann mit starkem Glauben fürchtete er den Tod nicht. „Er wäre aber gern bei diesem letzten Abenteuer mit uns in Verona dabei gewesen“, so Gasdia.

Der italienische Präsident Sergio Mattarella trauert um Zeffirelli: „Er hinterlässt eine große Leere in der italienischen und internationalen Kultur. Er hat seine Kunst mit zivilem Engagement und Liebe für sein Land verbunden.“ Auch die Wiener Staatsoper verbeugte sich vor „einem der bedeutendsten Opernregisseure des 20. Jahrhunderts“. Die Staatsoper erinnerte an Zeffirellis Inszenierungen an vielen internationalen Opernhäusern, etwa der New Yorker Metropolitan Opera, der Mailänder Scala und der Arena di Verona. Am Haus am Ring inszenierte Zeffirelli drei Mal: 1963 „La bohéme“, 1972 „Don Giovanni“ und 1978 „Carmen“. Seine „legendären Inszenierungen“ (Staatsoper) von „La bohéme“ (bisher 437 Vorstellungen) und Carmen (bisher 164 Vorstellungen) stehen nach wie vor im Repertoire der Wiener Staatsoper.

Ex-Premier Silvio Berlusconi, für dessen Partei Forza Italia Zeffirelli 1994 zum Senator gewählt wurde, bezeichnete den Opernregisseur als „Intellektuellen mit tiefer Moral“. „Wir waren von tiefer Freundschaft verbunden. Franco stand mir nahe, als ich in die Politik eingestiegen bin, und er hat als mutige und freigiebige Person an meinen Kämpfen für die Freiheit in Italien teilgenommen“, betonte Berlusconi.

Auch Startenor Andrea Bocelli trauert um Zeffirelli. „Er war ein Vorbild während meines ganzen Lebens“, betonte der toskanische Startenor. Seine Stiftung „Andrea Bocelli Foundation“ sei im selben Gebäude in Florenz untergebracht, in der sich Zeffirellis Kulturzentrum befindet. „Das Zusammenleben unter einem selben Dach der Kultur und Kunst hat mich voller Freude erfüllt“, betonte Bocelli.

Franco Zeffirelli, der eigentlich Gian Franco Corsi Zeffirelli hieß, ist am Samstag in Anwesenheit seiner beiden Adoptivsöhne friedlich entschlafen. Er war schon seit mehreren Monaten von schweren gesundheitlichen Problemen gezeichnet. Zeffirelli soll am Hauptfriedhof Porte Sante in Florenz beerdigt werden - in der Stadt, in der er am 12. Februar 1923 zur Welt gekommen war.




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