Letztes Update am Mo, 17.06.2019 06:13

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


„Die letzten Tage der Menschheit“ revisited



Das Volkstheater hat Paulus Manker doch nicht bekommen. Also muss, wer seine monumentale Inszenierung von „Die letzten Tage der Menschheit“ sehen will, hinaus in die Serbenhalle von Wiener Neustadt. Am 21. Juni gibt es die Wiederaufnahme-Premiere des laut dem Regisseur von sechseinhalb auf fast acht Stunden ausgeweiteten Anti-Kriegs-Spektakels. Für einige Zusatzvorstellungen gibt es noch Karten.

In der 300 Meter langen und 30 Meter hohen Halle, deren Stahlträger 1942 im serbischen Kraljevo abgebaut und in 400 Güterwaggons nach Wiener Neustadt gebracht wurden, um hier unter Einsatz von KZ-Häftlingen als Waffenproduktionsstätte der NS-Kriegsmaschinerie zu dienen, erleben die Besucher eine Reise vom Licht in die Finsternis und von der Euphorie in die Erschöpfung. Man beginnt den Parcours heiter in der Nachmittagssonne, erlebt den Jubel des Kriegsausbruchs, wird im zauberhaften Abendlicht im offenen Mannschaftswagen durch das Hallentor hinaus in die Wiesen- und Buschlandschaft der Umgebung gefahren, mit Speis und Trank versorgt und wird schließlich Zeuge des gespenstisch beleuchteten Höllensturzes der Monarchie.

Für heuer verspricht Manker „noch mehr SchauspielerInnen und mehr Schauplätze. So wird es die berühmte Szene zwischen dem deutschen Kaiser Wilhelm II. und dem Dichter Ganghofer erstmals geben, den humorigen Dialog über den ‚Bombenoberwerfer‘, die weiblichen Gasmasken aus dem Epilog und Alice Schaleks Unterhaltung über die Bombardierung von Venedig.“ Er selbst werde „heuer prominent in der Aufführung mitspielen, etwa als Nörgler und als Hofrat Schwarz-Gelber“. Als Polydrama konzipiert, ist es für den Einzelnen unmöglich, alles zu sehen. Zwischen den zentralen Szenen in der Halle stellt sich jeder Besucher seinen Parcours durch die detailreich ausgestatteten Zimmerfluchten selbst zusammen.

Einen „absoluten Skandal“ nennt Manker den Bestellungsvorgang für die Volkstheater-Direktion. Manker hatte sich mit einem Simultanbühnenkonzept beworben. Zum Direktor ab 2020 wurde der Dortmunder Intendant Kay Voges ernannt, der sich gar nicht beworben hatte.

„Nachdem man über 70 BewerberInnen monatelang in einem Wettbewerb mit ausführlichen Konzepten hingehalten hat“, sei offenbar „die Kulturstadträtin in Panik und völliger Unkenntnis der Gegebenheiten nach Dortmund gehetzt“, um Voges plötzlich „aus dem Hut zu zaubern“, so Manker gegenüber der APA. Voges hatte bei seiner Vorstellung berichtet, vor zweieinhalb Wochen angefragt worden zu sein, ob er sich die Leitung des Volkstheaters vorstellen könne.

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