Letztes Update am Mo, 17.06.2019 11:26

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kritik nach „Segensgebet“ für Kurz in der Stadthalle



ÖVP-Obmann Sebastian Kurz und die Veranstalter des religiösen Großevents „Awakening Europe“ müssen sich seit Sonntag einiges an Kritik anhören. Kurz hatte auf seiner Wahlkampftour in der Stadthalle Station gemacht und dabei ein „Segensgebet“ des evangelikalen Predigers Ben Fitzgerald entgegengenommen. Kritiker sehen darin einen Missbrauch der Religion für Wahlkampfzwecke.

) den rund 10.000 Teilnehmern an dem Event für ihren Einsatz „für eine Gesellschaft, in der es Zusammenhalt gibt, wo Menschen für einander da sind und wo Glaube auch ein Rolle spielt“.

In sozialen Medien mussten sich Kurz und die Veranstalter des Großevents dafür einiges an Kritik gefallen lassen - und zwar auch von kirchlicher Seite. So warnte die Direktorin der evangelischen Diakonie, Maria Katharina Moser, vor einem „Missbrauch des Gebets“ für Wahlkampfzwecke: „Die Kirchen sollten sich hüten, sich vor den parteipolitischen Karren spannen zu lassen, egal welcher Partei“, schrieb sie auf Twitter. Und ihr Kollege von der katholischen Caritas, Michael Landau, verwies angesichts der Inszenierung auf offener Bühne schlicht auf das Gebot des Matthäus-Evangeliums, im Privaten zu beten („Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die Tür zu“) - „Von Stadthalle steht da nichts.“

Die katholische Kirche kann die Kritik am „Segensgebet“ nicht nachvollziehen. „Ganz klar ist mir die Kritik nicht“, sagte Michael Prüller, Pressesprecher der Erzdiözese Wien, am Montag zur APA. „Wir sind als Christen aufgefordert, für Politiker zu beten“, sagte er. Eine parteipolitische Vereinnahmung konnte Prüller nicht erkennen. Das Gebet habe weder Kurz‘ Partei gegolten noch habe man für seinen Erfolg gebetet.

Es habe sich außerdem um eine ökumenische Veranstaltung gehandelt, die katholische Kirche sei daran nicht offiziell beteiligt gewesen, wies er Kritik an der katholischen Kirche zurück. Es hätten lediglich Vertreter daran teilgenommen, darunter eben auch Kardinal Christoph Schönborn.

„Sehr befremdlich“ findet dagegen die FPÖ den gemeinsamen Auftritt von Kurz und Prediger Fitzgerald. „Mit diesem sektenähnlichen Verhalten wurde eine klare Grenze überschritten. Wenn jemand wie Fitzgerald nach einer Drogendealerkarriere behauptet, Jesus getroffen zu haben und dann 10.000 Menschen in der Wiener Stadthalle auffordert, Sebastian Kurz zu huldigen, ist das nicht nur peinlich, sondern bedenklich“, so Generalsekretär Christian Hafenecker in einer Aussendung. Er erinnerte Kurz daran, dass in Österreich die Trennung von Staat und Kirche gelebt werde. „Ein Spitzenpolitiker sollte sich daher für eine solche Aktion nicht hergeben“, befand Hafenecker.

Gegründet wurde „Awakening Europe“ von Fitzgerald, der selbst angibt, als früherer Drogendealer Jesus begegnet zu sein. Angesichts der Kritik bezeichnete Kurz‘ Sprecher das Segnungsgebet als „spontane Idee von Ben Fitzgerald im Rahmen dieser Ökumenischen Veranstaltung“.




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