Letztes Update am Mi, 19.06.2019 16:02

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Schönborn skeptisch zu „Schließung“ des Abdullah-Zentrums



Sehr skeptisch hat sich Kardinal Christoph Schönborn zu der im österreichischen Parlament beschlossenen „Schließung“ des in Wien ansässigen „König Abdullah Zentrums für interreligiösen und interkulturellen Dialog“ (KAICIID) gezeigt. Das KAICIID „hat sicherlich nicht schlecht gearbeitet“, hielt der Kardinal am Mittwoch im Interview mit „Kathpress“ fest.

Ein wesentliches Kriterium seien für ihn dabei die Bischöfe aus dem Nahen Osten, so der Vorsitzende der Bischofskonferenz. Diese hätten sich immer wieder sehr positiv hinsichtlich der Einrichtung ausgesprochen: „Sie wissen aus eigener Erfahrung vor Ort, wie wichtig der interreligiöse Dialog ist und wie wichtig das Bauen von Brücken ist.“ Er hoffe sehr, so der Kardinal, „dass diese Brücken jetzt nicht vorschnell abgebrochen werden“.

Das KAICIID wurde Ende 2012 von Österreich, Spanien, Saudi-Arabien gegründet und wird von den Saudis größtenteils finanziert. Die entsprechenden Abkommen, die die Etablierung des „Dialogzentrums“ ermöglichten, waren 2012 vom Nationalrat abgesegnet worden. Seit seiner Gründung ist auch der Heilige Stuhl als Ständiger Beobachter in die Arbeit des Dialogzentrums strukturell eingebunden.

Das KAICIID ist eine internationale Organisation, die auf völkerrechtlicher Basis und nach völkerrechtlichen Prinzipien arbeitet. Geleitet wird das KAICIID von einem multireligiösen Direktorium, dem Vertreter von Buddhismus, Christentum, Hinduismus, Islam und Judentum angehören.

Österreich kann das Dialogzentrum nicht ohne Zustimmung der beiden anderen Gründerstaaten, Saudi-Arabien und Spanien, auflösen. Der Gründungsvertrag des „König-Abdullah-Zentrums für Interkulturellen und Interreligiösen Dialog“ verlangt dafür die Einstimmigkeit aller Vertragsparteien. Ihren Austritt aus dem Zentrum kann die Republik Österreich aber jederzeit deponieren und sich mit einer Frist von drei Monaten aus der Organisation zurückziehen. Auch das zwischen Österreich und dem KAICIID geschlossene Amtssitzabkommen kann einseitig gekündigt werden. Der Vertrag würde in einem solchen Fall sechs Monate später außer Kraft treten.




Kommentieren