Letztes Update am Do, 20.06.2019 15:45

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Klagenfurter Stadttheater-Intendant wechselt in die Schweiz



Intendant Florian Scholz wird Ende August 2020 und damit ein Jahr früher als geplant das Klagenfurter Stadttheater verlassen und als Nachfolger von Stephan Märki ans Konzert Theater Bern wechseln. Das gab Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) am Donnerstag bekannt. Die Ausschreibung der neuen Leitung soll im Herbst erfolgen. Scholz soll auch noch die Planung für die Saison 2020/2021 vorbereiten.

„In meiner Brust schlagen zwei Herzen: Einerseits hat sich das Klagenfurter Stadttheater gerade in den letzten Jahren einen ausgezeichneten Ruf als Mehrspartenhaus in der internationalen Theaterszene erarbeitet und erweist sich erneut als Bühne für internationale Karrieren. Andererseits ist der Wechsel mit einem weinenden Auge verbunden, wenn der dafür maßgeblich verantwortliche Intendant das Land und unsere Bühne verlässt“, ließ der Kärntner Landeshauptmann und Kulturreferent Peter Kaiser (SPÖ) wissen.

Klagenfurts Bürgermeisterin, Maria Luise Mathiaschitz, meinte: „Für das Stadttheater und die gesamte Klagenfurter Kultur ist der Abgang von Florian Scholz ein großer Verlust. Ich verstehe, dass man sich als Künstler weiterentwickeln will und wünsche ihm viel Erfolg.“

Scholz, der die Intendanz des Stadttheaters Klagenfurt in der Spielzeit 2012/2013 von Josef Ernst Köpplinger übernommen hatte, habe bei seiner Bewerbung aufgrund „seiner Verankerung sowohl im Musik- als auch im Sprechtheater, seinem künstlerischen Leistungsausweis sowie seiner starken Vernetzung in der Schweizer wie internationalen Kunst- und Kulturszene“, überzeugt, hieß es seitens des Stiftungsrats von Konzert Theater Bern. „Zentral für die Wahl war insbesondere sein erfolgreiches, aktuelles Schaffen an einem Mehrspartenhaus.“ Scholz wurde von einer Findungskommission in einem mehrstufigen Verfahren aus mehreren Dutzend Bewerbungen ausgewählt.

Florian Scholz (49) soll bereits in der kommenden Spielzeit seine Arbeit in Bern mit einer 50 Prozent-Anstellung aufnehmen, ab der Spielzeit 2020/21 voll in Bern tätig sein „und mit dem bestehenden Leitungsteam die Geschicke des Hauses lenken. Die erste Spielzeit unter seiner Planung wird die Spielzeit 2021/22 sein.“ Zu diesem Zeitpunkt soll der Regisseur Roger Vontobel sein Schauspieldirektor werden.

„Es ist Aufgabe einer jeden Kunststätte, sich für Empathie, Toleranz und Gerechtigkeit einzusetzen und den Geist der Freiheit aufrechtzuerhalten“, wurde Scholz in einem Pressestatement zitiert. „Dies in der Stadt Bern zu tun, einem Ort, in welchem direkte Demokratie gelebt wird, wird für mich eine Herausforderung und Kern meiner Arbeit werden.“

Florian Scholz wurde am 7. Jänner 1970 in Heidelberg geboren. Nach der Matura ging er nach Paris, um dort Schauspiel zu studieren und zu arbeiten. Von 1993 bis 1997 studierte er an der staatlichen Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin und schloss sein Studium mit einem Diplom ab. Danach arbeitete er als Schauspieler und machte bereits die ersten Erfahrungen im Regiefach.

Scholz war am Maxim Gorki Theater in Berlin ebenso tätig wie am Schlosstheater Celle oder an der Schaubühne Berlin. Dort war er 2001/02 Regieassistent, bevor er für drei Jahre den Job des Referenten des Generalintendanten Stephan Märki am Deutschen Nationaltheater Weimar übernahm. Von 2005 bis 2006 war er persönlicher Assistent von Generaldirektor Gerard Mortier an der Opera national de Paris, danach wechselte er zu Klaus Bachler an die Bayerische Staatsoper.

Im Februar 2011 wurde er als Klagenfurter Intendant ab der Spielzeit 2012/2013 designiert. Künstlerisch punktete das Haus zuletzt mit der Uraufführung der definitiven Fassung der Oper „Koma“ von Georg Friedrich Haas sowie Mateja Kolezniks „Iwanow“-Inszenierung, die im Vorjahr den „Nestroy“ für die Beste Bundesländer-Aufführung erhielt. Die Vorsaison (2017/18) wurde mit eine Gesamtauslastung von 84 Prozent und mehr als 103.000 Besucher bilanziert.




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