Letztes Update am Do, 20.06.2019 15:52

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ex-Kriminalistenchef: Seselj in Mord an Djindjic involviert



Ein ehemaliger Chef der serbischen Kriminalpolizei hat den serbischen Ultranationalisten Vojislav Seselj nun öffentlich mit dem Attentat auf Ministerpräsident Zoran Djindjic in Verbindung gebracht. Er glaube, dass Seselj mit gutem Grund auf der (damaligen, Anm.) Strafanzeige der Kriminalpolizei fungiert habe, sagte Rodoljub Milovic in einem Interview für die Zeitschrift „NIN“.

Djindjic wurde im März 2003 vor dem Regierungsgebäude von einem Angehörigen einer Sonderpolizeieinheit erschossen. Am Attentat waren auch Angehörige der damals landesweit führenden Mafiagruppe aus dem Belgrader Stadtviertel Zemun beteiligt. Der Name Seseljs fungierte nie auf der Anklageliste.

Seselj sei ein sehr aktives Mitglied der Mafia von Zemun gewesen, sagte Milovic ferner. Das Interesse Seseljs sei materieller Natur gewesen. Milovic zufolge habe Seselj wiederholt größere Geldsummen von der Zemun-Mafia erhalten.

Der serbische Ultranationalist hatte sich wenige Wochen vor dem Attentat auf Djindjic dem UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien gestellt. Vor der Abreise nach Den Haag hatte er das Attentat auf den damaligen Premier praktisch angekündigt. Unter Berufung auf Zeugenaussagen erklärte Milovic nun, dass Seselj eine jener Personen gewesen sei, die den Mordanschlag auf Djindjic verlangt hätten.

Im Vorjahr wurde der Ultranationalist vom UNO-Tribunal zu zehn Jahren Haft wegen Kriegsverbrechen verurteilt. Seselj blieb dennoch Klubchef seiner Serbischen Radikalen Partei (SRS) im Parlament. Dabei sieht das betreffende Gesetz ausdrücklich vor, dass das Abgeordnetenmandat endet, wenn ein Abgeordneter rechtskräftig zu mindestens sechs Monaten Haft verurteilt wird.

Milovic war bis 2014 Chef der Kriminalpolizei, zwei Jahre später wurde er in den Ruhestand versetzt. Die Mörder von Djindjic wurden 2009 rechtskräftig zu langen Haftstrafen verurteilt. Seselj hat bisher wiederholt ihre Freilassung verlangt.




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