Letztes Update am Fr, 21.06.2019 23:30

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Zehntausende Anhänger von Fridays for Future in Aachen



Zehntausende junge Menschen haben bei einer internationalen Großdemonstration der Schülerbewegung Fridays for Future in der deutschen Stadt Aachen am Freitag für den Klimaschutz demonstriert. Die Organisatoren sprachen von 40.000 Teilnehmern, die Polizei von 20.000.

Am Abend blockierten Hunderte Klimaaktivisten die Bahnstrecke vor dem Kohlekraftwerk Neurath im rheinischen Braunkohlerevier. Auf scharfe Kritik bei Umweltaktivisten stieß das Scheitern der EU-Staats- und Regierungschefs, sich auf eine Klimaneutralität bis 2050 festzulegen.

Die Großdemonstration war der Auftakt der für das Wochenende angekündigten Klimaproteste im Rheinland. In Aachen zogen die Anhänger von Fridays for Future in vier Demonstrationszügen in Richtung Innenstadt und von dort aus weiter vor das Fußballstadion Tivoli, wo am Nachmittag eine mehrstündige Kundgebung begann. Die Großdemo in Aachen war nach Angaben der Schülerbewegung der erste internationale Klimastreik von Fridays for Future. Ihre Teilnahme zugesagt hatten demnach junge Menschen aus 17 Ländern.

An den Protesten in Aachen beteiligten sich am Freitag auch Aktivisten der Umweltorganisation Robin Wood. Vier Kletterer spannten am Mittag zwischen die Stahlseile einer Fußgängerbrücke am Tivoli ein Transparent mit dem Slogan „Klimaschutz statt Kohleschmutz“, wie Robin Wood mitteilte. Die Bundesstraße vor dem Stadion wurde laut Polizei daraufhin für den Verkehr gesperrt.

Die Polizei ist auch heuer mit einem Großaufgebot im Einsatz. Am Freitagvormittag hatten die Beamten den Bahnhof von Viersen gesperrt. „Dies ist erforderlich, um das Eindringen von Unbefugten in den Tagebau zu verhindern“, teilte die Polizei via Twitter mit. Zugleich wurden für die Ende-Gelände-Demonstranten Busse für die Fahrt zu von dem Bündnis angemeldeten Mahnwachen im Umfeld des Tagebaus Garzweiler bereitgestellt.

Neben den Aktivisten von Ende Gelände wollen am Samstag auch Anhänger von Fridays for Future am Tagebau Garzweiler demonstrieren. Dort ist ebenfalls am Samstag unter dem Motto „Kohle stoppen - Klima und Dörfer retten“ eine weitere Demonstration geplant, zu der ein Bündnis umwelt- und zivilgesellschaftlicher Gruppen wie Campact, BUND und Greenpeace aufruft.

Nach dem gescheiterten Versuch der EU-Staats- und Regierungschefs auf ihrem Gipfel in Brüssel, sich auf das Ziel einer Treibhausgasneutralität bis 2050 zu einigen, warfen unterdessen Umweltaktivisten der EU vor, nicht ausreichend auf die Sorgen der Menschen vor dem Klimawandel zu reagieren. Die deutsche Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) forderte, es müsse nun um die konkreten Maßnahmen gehen, wie das Ziel einer Treibhausgasneutralität bis 2050 erreicht werden könne. Polen, Ungarn, Tschechien und Lettland hatten sich gegen eine Vereinbarung quergelegt, wonach die EU bis 2050 unterm Strich keine Treibhausgase mehr in die Luft blasen soll. Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein bedauerte, dass man sich nicht einigen konnte. „Ich hätte mir mehr gewünscht“, sagte sie. Für einen Beschluss wäre Einstimmigkeit notwendig gewesen.




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