Letztes Update am Sa, 22.06.2019 15:32

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Abschied von Vassilakou bei Grüner Landesversammlung



Die Wiener Grünen haben sich im Rahmen der Landesversammlung am Samstag von ihrer langjährigen Spitze Maria Vassilakou verabschiedet. Das Grüne Urgestein Christoph Chorherr würdigte sie in einer Rede, in der er Bilanz über ihre neun Jahre als Vizebürgermeisterin zog: „Du hast für uns Grüne und die Stadt Unglaubliches geleistet. Dafür möchte ich mich ganz tief vor dir verneigen. Danke, Maria.“

„Ich liebe euch, danke!“ - Mit diesen Worten verabschiedete sich Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou von den Grünen. „Es waren großartige lange, lange Jahre““, resümierte sie ihre Zeit in der Stadtpolitik. Wobei sie keine „eitle Leistungsbilanz“ ziehen wolle, wie sie betonte. Stattdessen gab es Danksagungen an die Weggefährtinnen und Weggefährten.

„An Tagen wie diesen und eigentlich in den letzten Wochen lässt man sehr viel Revue passieren. Schon eigentlich unglaublich, aber wahr: 24 Jahre meines Lebens. Ich bin 1996 Gemeinderätin geworden“, schilderte die gebürtige Griechin - die bereits 1993 bei der Partei angedockt ist - ihren Werdegang. „Ordentlich mehr als die Hälfte meines Lebens“, habe sie bei den Grünen verbracht.

„Da durchwühlt man dann sein Archiv und glaubt mir, ich habe ein Archiv“, versicherte sie. Mit dabei hatte sie etwa ihrer erste handgeschriebene Rede aus dem Herbst 1995, mit der sie sich um ein Mandat beworben hat. „Ich erinnere mich auch noch an die Zeit, wie ich zu Peter Pilz gebracht wurde zum Kennenlerntermin und da staunte ich nicht schlecht über das Aquarium, wo er Piranhas hielt.“

Manchmal, so verhehlte sie nicht, würden einem die Trümmer um die Ohren fliegen. Woher sie die Kraft in heftigen Zeiten nehme? „Ich war nie alleine, man hat an mich geglaubt.“ Die Grünen hätten ihr die Möglichkeit geschenkt, die Stadt zu verändern. Wobei sie betonte, dass sie Mitstreitern Gesicht und Stimme gegeben habe, die selber oft maßgeblich an der Umsetzung von Vorhaben beteiligt gewesen wären. „Die Mariahilfer Straße ist unser aller Projekt“, meinte sie etwa.

Wien sei eine Stadt der Solidarität und des Respekts, zeigte sich Vassilakou überzeugt - wobei sie auf die von der Zivilgesellschaft initiierte Bewachung und die Instandsetzung jener Porträts von NS-Opfern verwies, die vor einigen Wochen beschädigt worden waren: „So was kann man um alle Oligarchengelder der Welt nicht kaufen, so etwa kann man weder herbeibeten noch herbeisegnen.“

Es seien die Grünen, die darauf achten würden, dass Menschenrechte und Grundrechte nicht verhandelbar seien. „Bleibt genauso wie ihr seid, bleibt voller Ideen für die Zukunft“, appellierte sie an die Anwesenden. Und sie versicherte: „Wenn ihr Trost und Rat braucht, ich bin just around the corner.“ Die Rede wurde immer wieder von Zwischenapplaus unterbrochen - und zum Ende gab es erneut Standing Ovations für die scheidende Vizebürgermeisterin.

Zuvor wurde ein kurzer Film mit Fotos aus den Jahrzehnten ihrer politischen Karriere gezeigt. Die sichtlich gerührte, scheidende Vizebürgermeisterin und Verkehrsstadträtin wurde von den Teilnehmern der Landesversammlung mit minutenlangen Standing Ovations gewürdigt.

Im Rahmen der 81. Landesversammlung der Wiener Grünen entscheidet die Ökopartei über die Zusammensetzung der Landesliste für die kommende Nationalratswahl. Insgesamt bewerben sich 29 Personen um die vorderen Plätze. Sie dürfen sich heute vor dem Wahlgang den Delegierten präsentieren. Abgestimmt wird nach dem „Single Transferable Vote“, ein System, dass quasi eine automatisierte Stichwahl beinhaltet.

Außerdem wird Birgit Hebein - die designierte Spitzenkandidatin für die Wien-Wahl 2020 - formell zur Nachfolgerin von Vizebürgermeisterin und Verkehrs- bzw. Planungsstadträtin Maria Vassilakou bestimmt. Die offizielle Kür bzw. Amtsübergabe findet dann am Mittwoch im Gemeinderat statt.




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